Cover & Klappentext
Das Cover hat mich zwar auf das Buch aufmerksam gemacht, aber so richtig sagt es mir nicht zu, auch wenn die abgebildeten Komponenten zum Buch passen. Es ist eher ein Gefühl, was es vermittelt, das ich nicht ganz mit der Handlung in Zusammenhang bringe.
Dafür konnte der Klappentext bei mir punkten, obwohl in der Story weitaus mehr steckt, als er erkennen lässt.
Meinung
Das Buch ist in der personalen Erzählform geschrieben und wechselt zwischen den beiden Hauptprotagonisten Seraphine und Ransom. Um sie dreht sich das Geschehen, wobei der Fokus ein wenig mehr auf Sera liegt.
Der Einstieg gelingt recht leicht, weil die Autorin einen blumigen Schreibstil hat. Ihre Vergleiche transportieren Farben, die die düstere Stimmung, die im Verlauf oft vorherrscht, auflockert. Dabei bedient sie sich auch lebenslustigen Nebencharakteren. Das Word-Building hat mir sehr gefallen, weil es eine gewisse Leichtigkeit verleiht, sodass die schweren Emotionen einigermaßen erträglich waren. Außerdem passte das Tempo gut, sodass selten Längen entstanden.
Seraphine lebt mit ihrer Mutter in einer Talebene, wo sie Shade abfüllen. Mit diesem Pulver zementieren die beiden vorherrschenden, verfeindeten Gilden ihre Macht. Dagger und Cloaks. Während erstere ihr Leben mit Auftragsmorden verdingen, stehlen die Cloaks lediglich.
Als Seras Mutter ermordet wird, flieht sie zu den Cloaks und schwört Rache an dem Oberhaupt der Dagger. Daran kann auch Ransom nichts ändern, der auf sie angesetzt wurde, jedoch Gefallen an ihr findet.
Sera wirkte anfangs auf mich ein wenig naiv, zumindest was ihre Mutter betrifft. In ihren Augen war sie ein guter Mensch und unfehlbar. Das ist aber nachvollziehbar, sehen doch die meisten Kinder in ihren Eltern Helden. Zumindest bis zu einem gewissen Alter. Nach deren Tod ändert sich einiges, so auch Sera. Ihr Wunsch nach Rache treibt sie an, trotzdem verliert sie sich nicht darin, was mich beeindruckt hat. Ihre Werte behält sie bei, ebenso ihr angenehmes Wesen. Das heißt natürlich nicht, dass sie nicht einstecken und austeilen kann. Kurzum, mir war mir sympathisch und ich konnte mich gut in sie hineinversetzen.
Bei Ransom herrscht das Verständnis vor. Man lernt ihn recht schnell kennen und erfährt, warum er bei den Dagger gelandet ist. Deswegen konnte ich persönlich darüber hinwegsehen, dass er als Assassine seinen Lebensunterhalt bestreitet.
Die Idee hat mir sehr gefallen, obwohl sie klassisch aufgebaut ist. Gut gegen böse. Schatten gegen Licht. Die Gegensätze herrschen vor. Das macht in meinen Augen eine unterhaltsame Geschichte aus. Doch es ist nicht immer alles schwarz oder weiß, was die Autorin auch nicht vergessen hat. Schon allein dafür verdient sie einen Stern.
Leider blieben andere Dinge etwas auf der Strecke. Überraschende Wendungen sind eher rar gesät, obwohl sie der Story gutgetan hätten. Des Weiteren wurden die Schlüsselszenen meiner Meinung nach nicht ausreichend ausgearbeitet. Dabei läuten sie unter anderem Wendungen ein, nehmen etwas das Tempo raus und verstärken Emotionen.
Nichtsdestotrotz bin ich gespannt, wie es in Band zwei weitergeht.
Fazit
Ein unterhaltsamer erster Teil von Die Gilden von Fantome, in dem die Autorin mit interessanten Charakteren brilliert, die über sich hinauswachsen. Ihre Entwicklung war beispielhaft.
Während die Spannung beinahe permanent präsent war, gingen auch die zarten Gefühle zwischen den beiden Hauptprotagonisten nicht unter, die entsprechend der Handlung nur langsam erblühten. So wurde es umso glaubwürdiger.
Mich hat die Story überzeugt, weshalb ich vier von fünf Sternen gebe und eine Leseempfehlung.