Jonah Goes Off Script spielt mitten im schillernden, gnadenlosen Kosmos des Londoner West Ends. Jonah Penrose steht beruflich auf dem Höhepunkt, bekommt einen Award, ausverkaufte Shows und Standing Ovations. Doch privat bröckelt alles: eine frische Trennung, familiäre Sorgen und plötzlich Dexter Ellis, der frühere Publikumsliebling, der nicht nur die Bühne, sondern auch Jonahs inneres Gleichgewicht bedroht. Was als Rivalität beginnt, entwickelt sich langsam zu etwas, das keiner von beiden geplant hat.
Der Roman kann vor allem mit seinem Setting punkten. Die Liebe zum Theater ist auf jeder Seite spürbar. Probenalltag, Ensemble-Dynamiken, Fan-Kultur und Social Media-Hypes fühlen sich authentisch an und verleihen der Geschichte eine besondere Lebendigkeit. Das Theater ist hier nicht bloße Kulisse, sondern ein aktiver Teil der Handlung und ist laut, fordernd und emotional. Jonah ist ein vielschichtiger, nahbarer Protagonist. Seine Unsicherheiten, sein Perfektionismus und die Angst, sowohl auf der Bühne als auch im Privatleben zu versagen, wirken ehrlich und greifbar. Besonders der Umgang mit der Erkrankung seines Vaters bringt eine emotionale Tiefe ins Buch, die weit über eine klassische romantische Komödie hinausgeht. Diese leisen, schmerzhaften Momente gehören zu den stärksten Szenen der Geschichte. Die Dynamik zwischen Jonah und Dexter selbst lebt von scharfem Wortwechsel, Konkurrenzdenken und spürbarer Anziehung. Das Rivals-to-Lovers-Trope funktioniert im Ansatz sehr gut, leidet jedoch etwas unter dem gewählten Erzählstil. Durch die reine Jonah-Perspektive bleibt Dexter lange schwer greifbar. Seine Entwicklung und seine Beweggründe werden erst spät angerissen und hätten mehr Raum verdient. Der Übergang von Rivalität zu Beziehung wirkt dadurch stellenweise zu abrupt, auch wenn die emotionale Verbindung im letzten Drittel deutlich an Tiefe gewinnt. Gerade hier zeigt sich, dass der Roman von etwas mehr Umfang profitiert hätte: Nebenfiguren, familiäre Konflikte und die Liebesgeschichte selbst hätten mit zusätzlichem Raum noch stärker wirken können. Das Ende hingegen ist stimmig, emotional rund und gibt der Geschichte genau den Abschluss, den sie braucht.
Eine gefühlvolle, atmosphärische Queer Romance über Ehrgeiz, Verlust und die Frage, wer man ist, wenn der Applaus verstummt. Trotz kleiner Schwächen im Tempo und in der Ausarbeitung der Liebesgeschichte überzeugt der Roman durch sein authentisches Setting, einen starken Protagonisten und emotionale Tiefe und ist besonders zu empfehlen, wenn man Theater liebt und eine Geschichte mit Herz und Drama sucht.