Worum gehts?
Olivias Großmutter leidet an Demenz. Als ein Anruf aus Frankreich kommt, zögert Olivia keine Sekunde. Denn ihre liebe, gütige Großmutter eine Frau, die keiner Fliege etwas zuleide tun könnte sitzt im Hotel Lutetia in Paris und gesteht einen Mord. Einen Mord, der dort vor 80 Jahren geschehen sein soll. Was, wenn die Vergangenheit nicht nur verblasst, sondern etwas verbirgt?
Wer war ihre Großmutter wirklich? Und wer ist Olivia, wenn alles, was sie über ihre Familie zu wissen glaubte, ins Wanken gerät?
Meine Meinung:
Mir hatte schon Anna O gut gefallen und auch der neue Thriller von Matthew Blake war wieder spannend aufgebaut. In Sophie L. entführt er uns diesmal nach Paris und wir wechseln zwischen den Jahren 1945 und 2025 hin und her. Diese Zeitsprünge erzeugen eine unterschwellige Spannung, weil man spürt, dass die Vergangenheit nicht einfach vergangen ist sie wartet. Ich mag seinen Schreibstil, der intensiv und klar ist und mich das Buch in einem Rutsch lesen ließ. Und auch die Protagonisten sind toll gezeichnet.
Hier lesen wir vorwiegend aus Sicht von Olivia, Gedächtnisexpertin und Mutter ein Mensch, der selbst stark von seiner Vergangenheit geprägt ist. Gerade das macht es so packend, denn ausgerechnet sie, die sich mit Erinnerungen auskennt, gerät in einen Strudel aus Zweifel und Unsicherheit. Dann haben wir noch René, einen Auftragsmörder, der immer wieder kurz zu Wort kommt. Seine Kapitel wirken wie kurze, kalte Schatten über der Handlung. Myles in einer Rolle, die mir irgendwie von Anfang an klar war was der Geschichte aber nichts an Spannung genommen hat. Und immer wieder Sophie und Josephine, die aus der Vergangenheit zu uns sprechen und Stück für Stück ein Bild zusammensetzen, das lange bruchstückhaft bleibt.
Das ist auch, was mir an dem Buch besonders gefallen hat: der Einblick ins Jahr 1945, ins Hôtel Lutetia, die Menschen, die aus dem KZ zurückkamen, und das, was sie danach erlebt haben. Wie sie wiedereingegliedert wurden oder eben nicht. Als begeisterte Leserin historischer Romane fand ich das nicht nur interessant, sondern emotional sehr eindringlich.
Ansonsten muss ich sagen, war das Buch wirklich spannend aufgebaut. Der Blick in die Köpfe und das Wesen von Erinnerungen war faszinierend. Wie Erinnerungen entstehen, sich verändern oder sogar unbewusst verfälscht werden können, war klug und beklemmend dargestellt. Allerdings war das Buch für mich nicht wirklich ein klassischer Thriller, sondern eher ein Roman mit spannenden, teilweise sehr intensiven Szenen. Wer einen actiongeladenen Thriller erwartet, ist hier vielleicht nicht ganz richtig. Aber wer psychologische Spannung mit historischem Bezug mag, wird dieses Buch lieben. Die Verwicklungen und die Wahrheitsfindung fand ich wirklich toll konstruiert. Der Weg hin zur Wahrheit war spannend und geschickt aufgebaut. Wofür ich einen Punkt Abzug gebe, ist allerdings das Ende, das dann doch sehr plötzlich kam. Es war fast, als würde man aus der Spannung herausgerissen. Hier hätte ich mir mehr Tiefe, mehr Hintergründe und mehr Antworten auf das Warum gewünscht. Dennoch habe ich das Buch verschlungen und freue mich schon auf weitere Werke des Autors.
Fazit:
Mit Sophie L. verwebt Matthew Blake psychologische Spannung und historische Tiefe eindrucksvoll miteinander. Es ist kein Thriller, eher ein spannender Roman, der von einer dichten Atmosphäre und der beunruhigenden Frage lebt, wie verlässlich Erinnerungen wirklich sind. Besonders der historische Handlungsstrang im Paris des Jahres 1945 verleiht der Geschichte emotionale Tiefe und bleibt lange im Kopf. Auch wenn das Ende für meinen Geschmack etwas zu abrupt kam, ist Sophie L. klug konstruiert, intensiv erzählt und absolut lesenswert.
Von mir gibt es starke 4 Sterne für eine Geschichte, die mich gefesselt hat auch wenn es kein klassischer Thriller ist.