"Sophie L" war mein erstes Buch von Matthew Blake, und ich war gespannt, wie sein Schreibstil ist. Der Einstieg fiel mir leicht, und die kurzen Kapitel haben dafür gesorgt, dass ich immer weiterlesen wollte. Die Zeitsprünge in das Paris von 1945 sowie gleichzeitig die Einbindung aktueller Details (z.B. Bezug auf Songtitel) hat mir gut gefallen, denn es machte die Geschichte greifbar und zeitgemäß.
Die Grundidee des Buches ist spannend: Familiengeheimnisse, Identitätsfragen und eine mysteriöse Vergangenheit. Olivia als Protagonistin fand ich sympathisch, allerdings hat mich enttäuscht, dass ihr Beruf als Gedächtnisexpertin kaum eine Rolle spielt. Gerade weil das im Klappentext betont wird, hätte ich erwartet, dass ihre Expertise die Handlung prägt ähnlich wie bei "Mimik" von Sebastian Fitzek. Stattdessen agiert sie fast ausschließlich als Enkelin, was für mich verschenktes Potenzial war.
Die Handlung selbst ist flüssig erzählt, aber für mich eher ein Krimi als ein Psychothriller. Die Spannung war grundsätzlich da, doch es gab auch einige Längen und unnötige Details, während wichtige Fragen offenbleiben. Die Rückblenden und Perspektivwechsel waren sehr interessant, haben aber die Auflösung nicht so überraschend gemacht, wie ich es mir gewünscht hätte. Ein echter Plottwist, der das Buch zu einem Thriller gemacht hätte, fehlte damit für mich.
Auch das Ende hat mich leider nicht ganz überzeugt: Zu viele Fragen bleiben offen, während andere Aspekte übermäßig ausgeschmückt wurden. Die Identitätsfrage um Gran wurde mir zu oberflächlich gelöst und die psychologische Tiefe, die ich erwartet hatte, blieb aus. Insgesamt ist "Sophie L" gut geschrieben und spannend genug, um dranzubleiben. Matthew Blakes Stil gefällt mir, und ich habe das Buch schnell gelesen. Dennoch hat es meine Erwartungen nicht erfüllt: Für mich war es kein Psychothriller, sondern ein Krimi mit Familiengeheimnissen. Wer einen echten Nervenkitzel und psychologische Raffinesse erwartet, könnte enttäuscht sein. Wer aber eine solide, gut erzählte Geschichte mit vielen Fragen und Verwicklungen mag, wird auf seine Kosten kommen.