Mechthild von Magdeburg gilt als weithin leuchtender Stern in der mittelalterlichen Frauenmystik. Die hochgebildete, sprachmächtige Dichterin erregte mit ihren empfindsamen Schriften und mit ihrer Kritik am zeitgenössischen Ordensleben ein solches Aufsehen, dass sie sich zurückzog und vierzig Jahre als Begine im Kloster Helfta verbrachte. Bereits in jungen Jahren machte sie Erfahrungen einer unmittelbaren Präsenz des Göttlichen, die zu einer tiefen Auseinandersetzung mit ihrer religiösen Überzeugung führten. Ihre glühende Gottesliebe äußerte Mechthild von Magdeburg in einer für ihre Zeit unvergleichbaren Rhetorik. In Anlehnung an das biblische Hohelied formuliert sie erstaunlich selbstbewusst erotische Bilder und Vergleiche. Ihre Schilderungen eines spirituell-intimen Erlebens sind von poetischen Geständnissen durchzogen, die dazu einladen, den Seelenwegen der immer noch neu zu entdeckenden Mystikerin und Poetin nachzugehen. Zunächst führt Gerhard Wehr in das Leben der Beginen im Mittelalter ein und zeigt tiefgläubige und zugleich mitten im Leben stehende, vielseitig tätige Frauen. Diesem folgt eine Auswahl von Texten aus dem einzigartigen Werk Mechthilds, die auf der maßgeblichen, 1869 erstmals veröffentlichten Ausgabe der einzigen vollständigen Handschrift aus dem schweizerischen Kloster Einsiedeln basieren.
Inhaltsverzeichnis
Einführung
Frauen im Stromgebiet mystischer Erfahrung
Vom lateinischen zum volkssprachlichen Glaubenszeugnis
Mechthild, eine Troubadoura der Gottesminne
Eine unbekannte Begine
Mechthilds Buch
Zu den vorliegenden Texten Das Fließende Licht der Gottheit gibt sich kund
Das umstrittene Buch
Vom Ursprung her
Auf dem Weg zur mystischen Hochzeit
Zur Hofreise der Seele
Wie die Seele Gott rühmt
Die aus Lust und Schmerz gebildete Seele
Innere Zwiesprache
Wundersame Vorbereitung
Mit der Engelchöre Hochgesang
In der Sphäre der Vereinigung
Nachspiel der Minneflut
Von Sankt Mariens Botschaft
Unterwegs zu dem Einen Worte des Geleits und der Weisheit
Die Christenheit in Licht und Schatten
Zeugnisse der letzten Lebenszeit
Allezeit mit Gott vereint sein
Wie ein Mensch Gott suchen soll
Gotteslob mit allen Kreaturen
Gleichnis vom Arbeiter
Einem Pilger gleich
Zu den sieben Tagzeiten
Mariengruß
In demütiger Gesinnung
Wesenszüge der Liebe
Das Herz des geistlichen Menschen
Sieben Dinge zu Gottes Ehre
Unter die Hand Gottes gebeugt
Epilog: Ein wenig vom Paradies
Literatur