In 17 düster-poetischen Kurzgeschichten taucht man hier in faszinierende Wasserwelten ein von stillen Seen bis zu stürzenden Fluten.
Diese Anthologie ist wie ein Tauchgang ins Unbekannte. Jede Geschichte nimmt dich mit mal sacht, mal mit Gänsehaut doch immer atmosphärisch dicht und überraschend. Es geht nicht um klare Handlungslinien, sondern darum, wie Wasser als Element Leben und Schrecken zugleich sein kann.
Die Autor*innen schöpfen aus unterschiedlichen Quellen: Althergebrachte Mythen, grimmige Wunderwesen, kanalisiertes Horrorflair und ganz stille Albtraumstimmungen. Beispiele wie Reichelts Garten mit Lovecraft-Anklängen oder Baba Olga mit einer unheimlichen Rusalka zeigen Vielfalt und Tiefgang (Silke Pahl), während andere Texte etwa Energien (Tobias Lagemann) oder Salz auf der Haut (Jules B. Asches) lange nachhallen .
Stilistisch wechseln die Beiträge zwischen fein poetisch und eindringlich knapp, stets aber mit persönlicher Note. Manche Geschichten kamen mir zu kurz vor ich hätte gern Raum für mehr Tiefe gehabt doch diese Kürze ist zugleich Stärke: Keine Längen, nur konzentrierte Wirkung .
Die Illustrationen von Adrian van Schwamen fügen sich perfekt ein: dezent, unaufdringlich, aber atmosphärisch wertvoll. Sie unterstützen das Gefühl, in eine dunkle, geheimnisvolle Wasserwelt einzutreten .
Für mich ist Aqua obscura keine Sammlung zum verschwinden lassen sondern eine zum Eintauchen in unterschiedliche Perspektiven des Wassers. Die Geschichten überschreiten genretechnische Grenzen: Mal psychologisch, mal mythologisch, mal unheimlich, mal melancholisch. Und gerade die Subjektivität der einzelnen Stimmen gibt dem Buch seinen Charme.
Wer Kurzgeschichten liebt, die dunkle Fantastik mit literarischem Feingefühl verbinden, wird hier fündig. Aqua obscura lädt nicht zum schnellen Durchblättern ein, sondern zum Eintauchen in Perspektiven, die berühren, beunruhigen und manchmal noch lange nachwirken. Wie eine unsichtbare Strömung, die dich unmerklich in die Tiefe lockt.