Kleine Cafés, enge Gassen, neugierige Nachbarn und eine Rückkehr an einen Ort, den man eigentlich längst hinter sich gelassen glaubte. Die Zutaten für eine herbstliche Wohlfühlgeschichte sind in The Pumpkin Spice Latte Disaster reichlich vorhanden. Schon die ersten Kapitel versprühen diesen gemütlichen Kleinstadtcharme, der unweigerlich an beliebte Serienwelten erinnert und Lust auf eine romantische Auszeit macht.
Jude kehrt nur widerwillig für die Hochzeit ihrer Schwester nach Lower Whilby zurück. Die Kleinstadt steht für alles, was sie nie sein wollte: sesshaft, berechenbar und ständig Gegenstand des Dorftratsches. Doch aus dem geplanten Kurzbesuch wird mehr, als ein unerwarteter Zwischenfall sie zum Bleiben zwingt. Dabei kreuzt immer wieder James ihren Weg, der wortkarge Besitzer eines kleinen Cafés. Dass die beiden von Anfang an aneinandergeraten, überrascht kaum. Zwischen bissigen Kommentaren, Missverständnissen und unfreiwilliger Nähe entwickelt sich die bekannte Enemies-to-Lovers-Dynamik.
Genau hier hatte das Hörbuch für mich allerdings seine Schwächen. Grundsätzlich mag ich schlagfertige Dialoge und trockenen Humor sehr. Hier wurde das ständige Geplänkel jedoch so intensiv ausgespielt, dass es mit der Zeit an Reiz verlor. Vor allem Jude empfand ich oft als anstrengend, wodurch mir der Zugang zur Geschichte nicht immer leichtfiel. Mehr als einmal war ich versucht, das Hörbuch zur Seite zu legen.
Erzählt wird abwechselnd aus der Sicht von Jude und James. Dadurch erhält man tiefe Einblicke in ihre Gedankenwelt, ihre Unsicherheiten und ihre gegenseitige Anziehung. Für meinen Geschmack wurde allerdings etwas zu häufig betont, wie attraktiv die jeweils andere Person ist. Auch die romantischen Szenen nahmen deutlich mehr Raum ein, als ich bei dem gemütlichen Herbstsetting erwartet hatte. Das passte für mich nicht immer zu der Atmosphäre, die das Buch ansonsten aufbauen wollte.
Dabei zeigt die Geschichte durchaus ihre starken Seiten. Hinter dem Schlagabtausch verbirgt sich eine liebevolle Liebesgeschichte zweier Menschen, die beide ihre Gründe haben, Nähe auf Abstand zu halten. Besonders dieser vorsichtige Vertrauensaufbau hat mir gefallen. Noch stärker berührt hat mich jedoch der Hintergrund von Judes Vergangenheit. Die Gründe für ihren Weggang aus Lower Whilby haben der Geschichte plötzlich eine emotionale Tiefe verliehen, mit der ich nicht gerechnet hatte. Umso enttäuschter war ich, dass dieser Handlungsstrang am Ende nur teilweise aufgegriffen wurde. Auch die Entwicklung rund um ihre Schwester bleibt recht offen.
Als Hörbuch wird die Geschichte von Sarah Dorsel und Leonard Hohm angenehm und zuverlässig eingelesen. Beide transportieren die unterschiedlichen Stimmungen der Figuren glaubwürdig und sorgen dafür, dass sich die vielen Dialoge lebendig anhören.
Fazit:
Gemütliche Kleinstadt-Romance mit sympathischen Nebenfiguren und schönen Herbstvibes, die ihr emotionales Potenzial nicht vollständig ausschöpft.