Bachelorarbeit aus dem Jahr 2020 im Fachbereich Geowissenschaften / Geographie - Phys. Geogr. , Geomorphologie, Umweltforschung, Ruprecht-Karls-Universitä t Heidelberg, Sprache: Deutsch, Abstract: Wie charakterisieren sich die Unterschiede zwischen den historischen Schwankungen des Gletscherstandes und dem aktuellen Gletscherrü ckgang, der durch den Klimawandel hervorgerufen wird?
Welche Auswirkungen hat der aktuelle Gletscherrü ckgang auf ausgewä hlte Bereiche im Untersuchungsgebiet?
Der Grosse Aletschgletscher ist als lä ngster Talgletscher der Alpen wie die anderen alpinen Gletscher von den Folgen des Klimawandels betroffen. Im Holozä n war der Grosse Aletschgletscher regelmä ssigen Schwankungen bezü glich des Gletscherstandes ausgesetzt, die durch Klimaverä nderungen hervorgerufen wurden. Seit Beginn der Industrialisierung und vor allem seit der zweiten Hä lfte des 20. Jahrhunderts steigen die jä hrlichen Durchschnittstemperaturen rapide an. Gletscher reagieren trä ge auf Klimaverä nderungen. So begann sich der Grosse Alteschgletscher zeitlich versetzt auch von Jahr zu Jahr weiter zurü ckzuziehen.
Die zukü nftige Entwicklung des Grossen Aletschgletschers ist abhä ngig von Klimaszenarien. Das gü nstigste Klimaszenario geht von einer regionalen Erwä rmung von maximal 2 ° C aus, das ungü nstigste von 4 bis 8 ° C. Es wird prognostiziert, dass sich der Grosse Aletschgletscher unter jedem Klimaszenario bis ins Jahr 2050 auf eine Hö he etwas unterhalb des Mä rjelensees zurü ckziehen wird. Kann die regionale Erwä rmung auf 2 ° C begrenzt werden, wird der Konkordiaplatz im Jahr 2100 noch vereist sein, kommt es jedoch zu einer Erwä rmung von bis 4 bis 8 ° C, ist davon auszugehen, dass der Grosse Aletschgletscher in seiner Gesamtheit bis auf ein paar permanente Firnfelder im Jahr 2100 verschwunden sein wird. Der Klimawandel hat zudem massive Auswirkungen auf unterschiedliche Bereiche der Aletschregion. Es kommt vermehrt zu Naturgefahren wie z. B. Steinschlag, Felsstü rzen, Hochwasser, Lawinen oder Murgä ngen.
Traditionelle und bewä hrte Formen der Landwirtschaft und Landnutzung werden durch den Klimawandel bedroht und auch die Wasserversorgung im Oberwallis, die grö ß tenteils vom Schmelzwasser der Gletscher abhä ngig ist, wird auf lange Sicht hin Problemen ausgesetzt sein. Auch der Tourismus in der Region muss auf vielfä ltige Weise an die Folgen des Klimawandels angepasst werden.