Mark Twains Persönliche Erinnerungen an Jeanne d'Arc ist ein historischer Roman von ungewöhnlicher Ernsthaftigkeit: Erzählt von dem fiktiven Jugendgefährten und Sekretär Sieur Louis de Conte, entfaltet er den Weg der lothringischen Bauerntochter von Domrémy bis zum Scheiterhaufen in Rouen. Im Kontext des Hundertjährigen Krieges verbindet Twain dokumentarische Genauigkeit, pathetische Erzählkunst und psychologische Vergegenwärtigung. Anders als seine satirischen Meisterwerke sucht dieses Buch nicht die Pointe, sondern die moralische Erhebung, die Tragik und das Rätsel einer religiös-politischen Berufung. Mark Twain, geboren 1835 als Samuel Langhorne Clemens, war ein scharfer Beobachter amerikanischer Gesellschaften, doch Jeanne d'Arc faszinierte ihn lebenslang als Gestalt unbestechlicher Gewissensfreiheit. Seine jahrelange Beschäftigung mit Quellen, Prozessakten und französischer Geschichte erklärt den ehrfürchtigen Ton des Romans. In einer späten Lebensphase, geprägt von finanziellen Sorgen und persönlichen Verlusten, fand Twain in Jeanne ein Gegenbild zu Zynismus und Machtmissbrauch: jugendliche Lauterkeit, Mut und geistige Souveränität. Dieses Buch empfiehlt sich Leserinnen und Lesern, die Twain jenseits von Humor und Gesellschaftssatire entdecken möchten. Es bietet historische Anschaulichkeit, erzählerische Würde und eine eindringliche Meditation über Glauben, Patriotismus, Charisma und das Martyrium der Wahrheit.