Ludwig Nohls "Haydn" ist eine konzentrierte, zugleich kulturgeschichtlich weit ausgreifende Darstellung des Lebens und Wirkens Joseph Haydns. Das Buch verfolgt den Weg vom ländlichen Niederösterreich über die höfische Kapellmeisterexistenz bei Esterházy bis zur europäischen Berühmtheit und deutet Haydns Schaffen als entscheidende Formierung der klassischen Instrumentalmusik. In einem gelehrten, biographisch erzählenden Stil verbindet Nohl Werkbetrachtung, Charakterbild und historische Einordnung; besonders sichtbar wird Haydns Rolle für Symphonie, Streichquartett und Oratorium im Kontext der Wiener Klassik. Der Autor Ludwig Nohl, Musikhistoriker, Kritiker und Herausgeber des 19. Jahrhunderts, schrieb aus einer Epoche heraus, die die großen Meister der deutschen Musik kanonisierte. Seine intensive Beschäftigung mit Beethoven, Mozart und der Musikgeschichte verlieh ihm den Blick für Traditionslinien, Einflüsse und künstlerische Entwicklungsprozesse. Nohls Interesse gilt daher nicht nur dem anekdotischen Leben Haydns, sondern der Frage, wie Persönlichkeit, sozialer Stand, Mäzenatentum und musikalische Formbildung ineinandergreifen. Dieses Buch empfiehlt sich Lesern, die eine historische, quellennahe und zugleich anschauliche Annäherung an Haydn suchen. Es bietet keine moderne Spezialmonographie, wohl aber ein aufschlussreiches Zeugnis gelehrter Musikgeschichtsschreibung und eine würdige Einführung in den "Vater" zentraler klassischer Gattungen.