In "Geschichte der Gedankenfreiheit" zeichnet J. B. Bury die lange, konfliktreiche Emanzipation des menschlichen Denkens von religiöser, politischer und sozialer Bevormundung nach. Von der antiken Philosophie über mittelalterliche Orthodoxie und Inquisition bis zu Renaissance, Aufklärung und moderner Wissenschaft beschreibt er Gedankenfreiheit als historische Errungenschaft, nicht als selbstverständliches Naturgut. Sein Stil ist klar, nüchtern und argumentativ; die Darstellung verbindet ideengeschichtliche Übersicht mit liberaler Geschichtsdeutung und steht im Kontext des frühen 20. Jahrhunderts, als Wissenschaftsglaube und Verteidigung individueller Freiheit eng verbunden waren. J. B. Bury, irischer Historiker und klassischer Philologe, war Professor in Dublin und Cambridge und einer der bedeutenden Vertreter einer kritisch-quellenorientierten Geschichtswissenschaft. Seine Arbeiten zur Spätantike, zu Byzanz und zur Idee des Fortschritts prägten sein Interesse an intellektuellen Umbrüchen. Als Gelehrter, der historische Entwicklung nicht theologisch, sondern rational und empirisch verstand, konnte er in diesem Buch die Befreiung des Denkens als zentrales Moment menschlicher Kulturgeschichte deuten. Dieses Buch empfiehlt sich allen, die die Voraussetzungen moderner Meinungs-, Forschungs- und Gewissensfreiheit verstehen möchten. Es bietet keine bloße Chronik, sondern eine eindringliche Analyse der Kräfte, die freies Denken bedrohen oder ermöglichen.