Sinclair Lewis' Roman »Das kann hier nicht passieren« entwirft eine beklemmend plausible amerikanische Diktatur: Der populistische Senator Berzelius "Buzz" Windrip gewinnt mit Versprechen sozialer Gerechtigkeit und nationaler Erneuerung die Präsidentschaft und errichtet schrittweise ein korporatistisch-faschistisches Regime. Aus der Perspektive des liberalen Zeitungsredakteurs Doremus Jessup verbindet Lewis realistische Provinzbeobachtung, politische Satire und dystopische Warnschrift. Der Stil ist nüchtern, sarkastisch und essayistisch geschärft; im Kontext der 1930er Jahre reagiert der Roman unmittelbar auf Depression, Massenpropaganda und autoritäre Bewegungen. Als erster US-amerikanischer Nobelpreisträger für Literatur war Lewis der scharfsinnige Chronist amerikanischer Selbsttäuschungen. Seine früheren Romane »Main Street« und »Babbitt« sezierten Konformismus, Konsumgläubigkeit und moralische Trägheit der Mittelschicht; eben diese Milieukenntnis befähigte ihn, die Verwundbarkeit demokratischer Institutionen nicht als fremdes, sondern als heimisches Risiko darzustellen. Eindrücke von Huey Longs Demagogie, europäischen Faschismen und der Medienmacht seiner Zeit verdichten sich hier zu einer literarischen Diagnose. Dieses Buch empfiehlt sich allen Leserinnen und Lesern, die politische Literatur nicht als bloße Prognose, sondern als Analyse gesellschaftlicher Versuchungen verstehen. Seine Aktualität liegt weniger in einzelnen Parallelen als in der präzisen Darstellung, wie Angst, Bequemlichkeit und rhetorische Vereinfachung Freiheit aushöhlen können.