Der Traum (1924) gehört zu H. G. Wells' reifen utopischen Romanen. In einer fernen, rational geordneten Zukunft erzählt Sarnac seinen Gefährten von einem verstörend lebhaften Traum: dem Leben Harry Mortimer Smiths, eines Engländers der viktorianisch-edwardianischen Welt. Wells verbindet utopische Rahmenerzählung, psychologischen Realismus und sozialkritische Rückschau. Der scheinbar private Traum wird zur historischen Diagnose einer Epoche, geprägt von Klassenangst, Besitzdenken, sexueller Konvention und Krieg. H. G. Wells, naturwissenschaftlich geschult und politisch reformorientiert, schrieb aus der Spannung zwischen Fortschrittsglauben und Entsetzen über die Katastrophen der Moderne. Seine Erfahrungen als Lehrer, Journalist, Sozialkritiker und Autor wissenschaftlicher Romanzen schärften seinen Blick für Institutionen, Erziehung, Geschlechterrollen und ökonomische Ungleichheit. In diesem späten Werk prüft er, ob Vernunft und soziale Planung die Irrtümer der Vergangenheit überwinden können. Empfohlen sei Der Traum allen Leserinnen und Lesern, die Wells jenseits reiner Zukunftstechnik entdecken möchten. Das Buch ist weniger Abenteuer als gedankliches Experiment: eine melancholische, analytische Meditation über Erinnerung, Zivilisation und moralischen Fortschritt. Gerade seine ruhige Form macht es zu einem aufschlussreichen Schlüsseltext im utopischen Denken des 20. Jahrhunderts.