In "Napoleon und die Königin von Preußen" entfaltet Luisa Mühlbach ein breit angelegtes historisches Tableau der napoleonischen Zeit, in dessen Mittelpunkt der Zusammenstoß politischer Macht und moralischer Würde steht. Die Gestalt Königin Luises erscheint als Gegenbild zu Napoleons imperialer Energie: empfindsam, patriotisch, zugleich von dynastischen Zwängen umgeben. Mühlbach verbindet dokumentarisch anmutende Szenen, dramatische Dialoge und melodramatische Zuspitzung zu einem Roman, der dem historischen Erzählen des 19. Jahrhunderts verpflichtet ist und Geschichte als Bühne sittlicher Entscheidungen begreift. Luisa Mühlbach, das Pseudonym Clara Mundts, gehörte zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Autorinnen historischer Romane. Geprägt von liberalen Debatten, publizistischer Erfahrung und dem Interesse an nationaler Erinnerung, suchte sie in der Vergangenheit Stoffe, die politische Gegenwart verständlich machten. Ihre Darstellung Preußens und Napoleons verrät nicht nur archivalische Neugier, sondern auch den Wunsch, weibliche Handlungskraft im Raum großer Politik sichtbar zu machen. Empfohlen sei dieses Buch Leserinnen und Lesern, die historische Romane nicht bloß als Kostümstück, sondern als Deutung politischer Kultur lesen möchten. Es bietet Spannung, Pathos und zeitgeschichtliche Reflexion zugleich und eröffnet einen eindrucksvollen Zugang zur napoleonischen Epoche aus preußischer Perspektive.