Das Telefon klingelte an diesem Morgen schon, bevor Björn Kilian überhaupt die erste Tasse Kaffee in der Hand hatte. Eltje Dirksen, seine Assistentin, warf ihm einen vielsagenden Blick zu, als sie den Hörer abnahm und mit geübter Stimme "Detektei Kilian, guten Morgen!" ins Telefon säuselte. Sie hielt die Hand über die Sprechmuschel und raunte: "Ein Herr, klingt ziemlich aufgelöst."
Björn seufzte, ließ sich in seinen Sessel fallen und winkte ihr, das Gespräch durchzustellen. "Kilian", meldete er sich kurz angebunden.
"Herr Kilian, mein Name ist Dr. Jörg Ravens. Ich brauche Ihre Hilfe. Es geht um meine Tochter. Sie ist verschwunden. Seit gestern Abend, niemand weiß, wo sie ist."
Björn runzelte die Stirn. Verschwundene Personen waren selten so früh am Tag ein Thema, aber der Tonfall des Mannes ließ keinen Zweifel: Hier war jemand am Ende seiner Nerven. "Wie alt ist Ihre Tochter, Herr Dr. Ravens?"
"Neunzehn. Sie heißt Annika. Sie ist Studentin in Oldenburg, aber sie war am Wochenende zu Hause, hier in Emden. Sie wollte gestern Abend zu einer Party, aber sie ist nicht zurückgekommen. Ihr Handy ist aus. Ich habe schon überall herumtelefoniert, niemand weiß etwas."
Björn griff nach seinem Notizblock. "Haben Sie die Polizei informiert?"