Dass es sich bei dem vorliegenden Buch bereits um den zweiten Band handelt, war mir zunächst nicht bewusst. Das einleitende Kapitel fasst die vergangenen Entwicklungen kurz zusammen, und ein Neueinstieg in die Reihe war kein Problem.
Ich persönlich bevorzuge Krimis, die direkt mit dem eigentlichen Mordfall und den anschließenden Ermittlungen beginnen, was hier der Fall war. Der Mord an Lina schafft die perfekte Ausgangslage, schließlich ist er aufgrund seiner Art und Weise äußerst skrupellos und geht unter die Haut.
Die Ermittlerin Leena war mir von Anfang an sympathisch. Sie wirkte kompetent und engagiert. Die Einblicke in ihr Privatleben haben die Ermittlungsarbeit nie überlagert und verliehen der Figur mehr Tiefe. Mit fortschreitender Handlung gewannen ihre persönlichen Probleme jedoch zunehmend an Bedeutung, sodass dieser Aspekt für meinen Geschmack zu sehr in den Vordergrund rückte. Vor allem da auch Sebastian, ihr Kollege und Leiter der Mordkommission, mit eigenen Schwierigkeiten belastet war, die zeitweise die Ermittlung gefährdeten.
Weniger überzeugen konnte mich die Dynamik zwischen Leena und ihrem neuen Vorgesetzten Sebastian. Über weite Strecken hatte ich den Eindruck, dass Leena die Ermittlungen anführt, während Sebastian eher im Hintergrund bleibt. Dadurch wirkte das Kräfteverhältnis zwischen den beiden auf mich etwas unausgewogen, zumal Sebastian als Leiter der Mordkommission nur selten die Rolle einnimmt, die man aufgrund seiner Position erwarten würde.
Die Aufklärung des Mordes selbst ist sehr komplex, und über längere Zeit scheint man dem Täter nicht näher zu kommen. Was aber nicht heißt, dass es keine neuen Erkenntnisse gibt. Diese ließen hingegen lange offen, in welche Richtung sich die Ermittlungen entwickeln würden.
Dass weitere Verbrechen im Umfeld der Kleinstadt aufgeklärt werden konnten, ist der Hartnäckigkeit von Leena zu verdanken, da sie sich nicht mit einfachen Erklärungen zufriedengab. Dennoch bin ich von der Art der Auflösung etwas enttäuscht, denn sowohl entscheidende Erkenntnisse im Mordfall als auch die Umstände, unter denen Lina ins Visier des Täters geraten ist, ergaben sich letztlich eher zufällig, was die ansonsten starke Ermittlungsarbeit etwas relativiert.
Thematisch greift das Buch schwierige und belastende Themen wie Alkoholmissbrauch, häusliche Gewalt und Kindesmissbrauch auf. Auch wenn diese Aspekte überzeugend und glaubhaft beschrieben wurden und sie zur düsteren Atmosphäre der Geschichte beitragen, waren sie für die eigentliche Handlung entbehrlich. Der Fall mit all seinen Entwicklungen war dramatisch genug.
Das Motiv hat mich nachhaltig bewegt, ist es doch grundsätzlich nachvollziehbar. Und auch wenn der Mord an Lina auf keinen Fall der richtige Weg war, mit dieser Tragödie umzugehen, zeigt es doch, dass ein Täter auch ein Opfer sein kann.