Normalerweise sind es eher die unteren Schichten, die damit rechnen müssen, dass ihr Leben ein vorzeitiges Ende findet. Hier erhöht die Zugehörigkeit zum Kreis der reichsten Menschen der Welt das Sterberisiko erheblich .Ein ungewöhnlicher Ansatz und definitiv ein Antrieb, den Krimi in die Hand zu nehmen. Es ist der 3. Band einer Trilogie, aber meine erste Begegnung mit der ehemaligen Polizeibeamtin Colomba Caselli und ihrem treuen Freund und Mitstreiter Dante Torre.
Der Auftakt der Handlung war in meinen Augen nicht ungewöhnlich. Jesus Martinez wird in seiner Wohnung tot aufgefunden. Unfall oder Mord ? Dann aber werde ich in die Welt der Reichen und Mächtigen entführt. Das Opfer war unanständig reich, die Wohnung eine uneinnehmbare Festung. Caselli wird als externe Ermittlerin hinzugezogen. Colomba hat schon einiges durchgemacht und seelische Narben zurückbehalten. Sie ist dennoch eine brillante Ermittlerin. Etwas irritiert war ich am Anfang von Dante, der mehr Macken hat, als ich mir vorstellen konnte, was den Umgang mit ihm anstrengend macht. Dabei ist er genial und seine Auffassungsgabe und Denkweise faszinierend. Bei aller Bewunderung hat er mich zutiefst berührt. und ist der Grund, warum ich das Ende als überzeugend und zugleich als traurig empfunden habe.
Martinez scheint tatsächlich ermordet worden zu sein, wenn auch die Frage wie und vor allem warum zuerst offen bleibt. Weitere Superreiche sterben. Die Ermittlungen führen zwangsläufig in den Kreis der Geldelite . Ich kann nicht sagen, dass ich von ihnen angetan war. Sie waren in meinen Augen selbstherrlich, selbstsüchtig und ohne Empathie gegenüber den weniger Privilegierten. Liegt hier ein Motiv für die Morde ? Rache an den Reichen ?
Stück für Stück tragen Colomba und Dante die Fragmente der Verbrechen zusammen, nicht ohne auch einige Irrwege zu nehmen. Das war packend und die Idee dahinter wurde immer monströser und verstörender. Die Schlussfolgerungen, die zur Auflösung führen, waren in meinen Augen logisch, was es um so erschreckender machte. Dabei gibt es im Buch auch sehr berührende Momente, die oft mit Dante zu tun und mich für ihn eingenommen haben.
Der Krimi ist ein echter Pageturner, denn die Handlung hält einem meiner Meinung nach in Atem. Als besonders sozialkritisch würde ich ihn nicht bezeichnen. Natürlich stellt man sich die Frage, ob es angehen kann, dass so wenige so viel Geld und damit Macht besitzen und sich für sich in Anspruch nehmen, das Maß aller Dinge zu sein ohne Rücksicht auf andere. Aber für mich war das eher eine Randbemerkung und nicht der Kern des Krimis.