Als Gregor seiner kleinen Schwester Boots in einen geheimnisvollen Schacht folgt, landet er in einer verborgenen Welt tief unter der Erde. Dort leben Menschen neben riesigen Fledermäusen, Kakerlaken und Ratten, die sprechen können und eigentlich möchte Gregor nur wieder nach Hause, doch eine alte Prophezeiung deutet darauf hin, dass ausgerechnet er eine wichtige Rolle im Schicksal des Unterlandes spielt. Zudem hat er so die Hoffnung, seinen seit Jahren verschwundenen Vater zu finden. Und so beginnt eine gefährliche Reise voller Herausforderungen, Freundschaften und unerwarteter Entdeckungen.
Mit Gregor und die graue Prophezeiung zeigt Suzanne Collins schon lange vor ihren späteren Erfolgen, wie gut sie spannende Abenteuer erzählen kann. Die Geschichte verbindet eine fantasievolle Unterwelt mit klassischen Motiven wie Prophezeiungen, Mut und der Suche nach der eigenen Bestimmung, bei der vor allem die ungewöhnliche Welt des Unterlandes gut gelungen ist. Dabei sorgen riesige Fledermäuse, sprechende Kakerlaken und bedrohliche Ratten für eine Atmosphäre, die gleichermaßen faszinierend wie manchmal auch etwas unheimlich wirkt. Die Beziehung zwischen Gregor und seiner kleinen Schwester Boots verleiht der Geschichte zudem viel Herz und macht die beiden zu einem sympathischen Heldenduo. Der Schreibstil selbst ist leicht zugänglich und eignet sich hervorragend für jüngere Leser, bietet aber auch Erwachsenen gute Unterhaltung. Die Handlung bleibt dazu durchgehend spannend, auch wenn manche Entwicklungen bekannten Fantasy-Mustern folgen. Wer völlig neue Ideen erwartet, wird vielleicht nicht in jedem Punkt überrascht. Die lebendige Welt und die sympathischen Figuren machen dies jedoch mehr als wett.
Ein gelungener Reihenauftakt voller Abenteuer, Fantasie und liebenswerter Figuren, der mit einer faszinierenden Unterwelt, spannenden Herausforderungen und wichtigen Themen wie Familie, Freundschaft und Mut überzeugt.