UNSER SOMMER ENDET NIE
Virginie Grimaldi
ET: 30.4.25
Nachdem die Schwestern Emma und Agathe fünf Jahre keinen Kontakt mehr hatten, treffen sie sich im französischen Baskenland im Haus ihrer verstorbenen Großmutter wieder. Emma, die ältere der beiden, hat vorgeschlagen, die letzte Woche vor dem Verkauf des Hauses gemeinsam dort zu verbringen, um sich endlich auszusöhnen. Doch obwohl der Wille auf beiden Seiten da ist, gelingt ihnen das nur mühsam.
Die Großmutter fehlt überall. Sie war früher Mutterersatz, Vermittlerin und das Herz der Familie. Gleichzeitig hat die lange Funkstille zwischen den Schwestern ihre Spuren hinterlassen. Emma und Agathe, die ohnehin immer sehr unterschiedlich waren, haben sich mit den Jahren immer weiter voneinander entfernt. Nähe wieder zuzulassen fällt beiden schwer. Doch je mehr Zeit sie miteinander verbringen, desto mehr bröckelt die Distanz zwischen ihnen.
In Rückblicken erfahren wir mehr über die Kindheit der Schwestern. Der Vater hatte die Familie für eine andere Frau verlassen und war früh verstorben. Die Mutter war mit der Situation vollkommen überfordert und ließ ihre Frustration oft an den Mädchen aus. Vor allem Emma lernte schon früh Verantwortung zu übernehmen und sich um ihre kleine Schwester zu kümmern ohne zu merken, wie sehr sie selbst darunter litt.
Wie es weitergeht, müsst ihr natürlich selbst herausfinden.
Besonders gelungen fand ich den Vergangenheitsstrang, der nachvollziehbar aufzeigt, wie die Traumata der Mädchen durch die Gewalt der Mutter entstanden sind. Die Gegenwart hingegen hätte für meinen Geschmack etwas mehr Tiefe oder Dynamik vertragen können, dennoch ließ sich das Buch sehr angenehm und zügig lesen. Das Ende ist sehr stimmig und gut.
Insgesamt ein eindringliches Buch über Verlust, Schuld, alte Traumata und die zerstörerischen Auswirkungen von Gewalt innerhalb der Familie.
Gerne empfehle ich das Buch allen, die Familiengeschichten mögen.
4/5