Ich hab vor kurzem gehört oder gelesen, dass man öfter Mal Bücher zu Hand nehmen sollte, die nicht automatisch unserem Schema entsprechen und somit eine andere Gehirnleistung verlangen. Schließlich sollen uns Bücher auch ab und zu Herausfordern, manchmal unbequem sein, weil das Thema eine unausgesprochene oder noch verborgene Wahrheit aufzeigt.
Die Autorin Silvi Carlsson, die außerdem Psychologie studiert, beschäftigt sich in ihrer Mischung aus Roman und Sachbuch mit dem Phänomen des "Guten Mädchen", warum diese Prägung existiert, ihre psychologischen Folgen und dem Umgang damit.
Sie erklärt anhand wissenschaftlicher Erkenntnissen, Daten, Fakten und persönlicher Erfahrungen verständlich: erlernte Dynamiken der Gesellschaft sowie vorgeprägte Denk- und Beziehungsmuster.
Eine Beobachtung ist die gesellschaftliche Erwartung von Weiblichkeit, die aber gleichzeitig abgewertet wird ala "Lauf nicht wie ein Mädchen".
Dabei ein Internalisieren von Normen des (patrichalen) Systems und die Entstehung von machtvoller Scham, wenn man dem nicht entspricht.
Aber auch Männer bleiben von "toxischem" Scham in patrichalen Strukturen nicht verschont, so sollen sie doch möglichst wenig feminin sein, obwohl Gefühle zeigen, Hilfsbereitschaft, Sensibilität, Sanftheit und dergleichen, eigentlich Menschlichkeit aufzeigt.
Bis zu gewissen Grad gehört eine Anpassung dazu, um in einer Gesellschaft gemeinsam zusammenleben zu können, jedoch sollte dabei die eigene Identität im privaten Rahmen nicht einer Bewertung von außen ausgesetzt sein.
Die Gefährlichkeit liegt in der Vermischung mit toxischen Schuld, weil man dadurch oft Verantwortung für Gefühle übernimmt, die man nicht verursacht hat, Grenzen setzen verlernt und die eigenen Bedürfnisse übergeht. Kurz um es entsteht die Thematik der emotionalen und körperlichen Verfügbarkeit, deren Ende mit einigen Gedanken und Überlegungen hier angedacht sind.
Das Buch ist vorallem eine biographische Analyse von Ereignissen, die die Autorin geprägt haben und obwohl es viele gute Denkanstöße liefert, unterscheiden sich einige Ansichten zu meinen eigenen. Am Schluss ist es für mich nicht ein System (klar es ist daran echt viel falsch und fragwürdig) dessen Änderung beinahe unmöglich scheint, sondern individuelle Veränderungen im kleinen, sprich im eigenen Leben, die anzustreben sind. Nicht alle Erfahrungen, Prägungen und Umstände sind gleich, daher würde ich sagen ließ das Buch, finde Inspiration und nicht nur Wut und lass kleine, dennoch effektive Gedanken in deinem eigenem Leben Platz finden!
Frauen haben Macht, aber nur gemeinsam lässt sich etwas ändern (4B Bewegung in Südkorea, das Ende des zweiten Liberianischen Bürgerkriegs 2003, der Frauenruhetag am 24.Oktober 1975 in Island)!
Fazit: Interessante Denkanstöße mit viel Einfluss aus der Biographie der Autorin!
Ich habe auf alle Fälle Etwas gelernt, sei es historisch über all die mutigen Frauen, die es schon gab und noch gibt, oder über Strukturen und Systeme, die schlicht übersehen werden!