Good Girl Exit von Silvi Carlsson hat von mir vier Sterne bekommen, da es ein unglaublich wichtiges Thema behandelt und ich finde es grundsätzlich gut, dass solche Bücher erscheinen und möglichst viele Menschen erreichen.
Ich habe das Buch relativ zeitnah nach Unshame von Louisa Dellert gelesen und musste deshalb unweigerlich einige Parallelen ziehen. Wie schon bei Unshame bietet das Buch vor allem einen Überblick über verschiedene Aspekte des Themas, geht dabei aber nur selten wirklich in die Tiefe. Immer wieder fließen biografische Anekdoten der Autorin ein, bei denen mir aber die weiterführende Analyse gefehlt hat. Das Thema von Good Girl Exit hat mich persönlich stärker angesprochen, weil es mich gerade selbst mehr beschäftigt.
Bereichernd fand ich einige der theoretischen Ansätze, zum Beispiel, über die Traumareaktionen fawn. Solche wissenschaftlichen Erklärungen hätte ich mir deutlich mehr gewünscht gerne auch verbunden mit gesellschaftlichen Beispielen. Auch die verschiedenen Beispiele aus anderen Ländern fand ich gelungen und haben den globalen Charakter unterstrichen.
Genau hier liegt für mich aber auch die größte Schwäche des Buches: Viele interessante Themen werden angesprochen, bleiben dann jedoch eher an der Oberfläche.
Etwas irritiert hat mich außerdem, dass die Autorin in dem Buch auf ihre Diagnosen eingeht angefangen bei ADHS bis hin zum Autismus-Spektrum. Für mich gehört dieser Themenbereich nicht so recht zum eigentlichen Kern des Buches.
Trotz meiner Kritik habe ich das Buch gerne gelesen und finde es wichtig, dass diese Themen immer wieder in den gesellschaftlichen Diskurs gebracht werden. Gerade die persönlichen Erfahrungen machen vieles greifbar und können dazu anregen, die eigenen Verhaltensmuster zu hinterfragen. Für mich bleibt Good Girl Exit deshalb ein guter Denkanstoß.