Im «Letter Shop» wird nicht nur Briefpapier und später Notizbücher verkauft. Dort ist ein Treffpunkt für Freunde des Briefeschreibens und seit Hyoyeong dort arbeitet, spürt sie die tröstliche Wirkung und offenherzige Zugewandheit. Die Handlung und die Einzelschicksale der Kunden und Kundinnen ist nicht das eigentliche Vergnügen, sondern ganz titeltreu der Briefladen, in dem die Zeit stillzustehen schein. Man liest dieses Buch nicht, um zu erfahren, wie es weitergeht, sondern um die ruhige Atmosphäre zu genießen. «Eine frische Note von Eukalyptus, gepaart mit dem intensiven, erdigen Aroma von Tusche, verlieh dem Letter Shop seine ruhige, behagliche Atmosphäre.» Anonyme Brieffreundschaften und die daraus entstehenden zwischenmenschlichen Begegnungen mit zurückhaltenden und liebenswerten Figuren zu erleben, macht diesen Roman aus. «Dank dieser Briefe habe ich gelernt, auf Papier etwas ehrlicher zu sein.» Abwechslung bieten die geschriebenen Briefe und Arbeitsprotokolle. Es ist eine Würdigung der Langsamkeit und eine Wertschätzung für das Handgeschriebene.
Hyoyeong ist dabei der zentrale Anker dieses Romans. Sie erhält Briefe von ihrer Schwester Hyomin, die sie nicht beantwortet. Es ist sicher eine Mission des Romans, die Kultur des Briefeschreibers zu fördern. Zudem passt die Botschaft zum Weihnachtsfest, das im Roman vor der Tür steht. Bei mir hat der einfache Schreibstil in Kombination mit der überschaubaren Handlung dafür gesorgt, dass ich mich nicht darauf einlassen konnte und immer wieder abgeschweift bin. Zwar habe ich es durchgelesen, doch manchmal war der Wunsch groß, abzubrechen, obwohl ich es so gern mögen wollte und die Atmosphäre genossen habe. Vielleicht eine gute Wahl, wenn man eine unaufgeregte und leichte Lektüre sucht. Es soll im Herbst 2026 eine Fortsetzung erscheinen.