Das Buch Real Americans von Rachel Khong wird aus drei verschiedenen Perspektiven und auf drei verschiedenen Zeitebenen erzählt. Teil 1 aus Sicht von Lily, Tochter chinesischer Einwanderer von China über Hongkong in die USA ab 1999 bis 2003. Der zweite Teil wird aus Sicht von Lilys Sohn Nick ab 2021 erzählt. Im dritten Teil lernen wir die Perspektive von May, Lilys Mutter und Nicks Großmutter, ab 2030 kennen. Der überwiegende Handlungsort sind die USA, mit Abstechern nach China und Europa.
Das Buch ist sowohl eine Familiengeschichte als auch ein Gesellschaftsroman. Der Schreibstil der Autorin ist ruhig und eindringlich mit einer perfekten Beobachtung des Geschehens. Das Buch hat mich von Beginn an in seinen Bann gezogen. In den drei Teilen werden so unglaublich viele Themen behandelt, was ich sehr spannend finde. Es geht um Identität und Zugehörigkeit, Vorurteile und die Klassengesellschaft in den USA, die Menschen unterschiedliche Startvoraussetzungen und Privilegien bietet. Es werden viele Themen angesprochen von Gentechnik über 9/11, die Entwicklung Chinas, das Machtgefüge der Weißen in den USA, Native Americans, Kulturunterschiede und so vieles mehr. In dieser Familiengeschichte über drei Generationen geht es um Geheimnisse und die Auswirkungen der Entscheidungen, die die jeweils vorangegangene Generation für die jeweils Nächste mit der besten Intention getroffen hat. Die gesellschaftlichen Themen werden hierbei hervorragend in die ganze Familiengeschichte eingewoben.
Mir hat das Buch wirklich sehr gut gefallen. Die Charaktere sind vielschichtig und fein ausgearbeitet und man kann sich in sie und ihre Sichtweise hervorragend hineinversetzen. Es sind alles authentische Menschen, die versuchen, ihren Platz in einer teilweise für sie fremden Welt zu finden und die bestmöglichen Entscheidungen für die nächste Generation zu treffen, wobei sie hier regelmäßig scheitern, da die nächste Generation oftmals eine ganz andere Sichtweise hat. Diese verschiedenen Perspektiven sind so unglaublich spannend und machen die Faszination dieses Buchs aus. Ganz großartig fand ich die verschiedenen Zeitebenen mit ihren zeitgenössischen- und gesellschaftlichen Themen. Man taucht wirklich in diese unterschiedlichen Zeiten ein und erlebt sie intensiv mit. Ich fand die Geschichte von Anfang bis Ende sehr spannend und ungemein vielschichtig. Mich hat das Buch auch sehr zum Nachdenken über meine eigene Familiengeschichte angeregt, da meine Familie väterlicherseits auch aus Einwanderern besteht.
Fazit: Ein ganz großartiges Buch, das mich sehr begeistert hat. Perfekt zum Abtauchen, Nachdenken aber auch zum Schmunzeln. Tiefgehend, berührend und eindringlich erzählt. Ein außergewöhnlich gutes und sehr bereicherndes Buch, das ich wärmstens empfehlen kann.