WIR GEHEN MAL LOS
Rafaella Romagnolo
ET: 20.05.26
Seit dem Tod seiner Mutter hat Amedeo auf nichts mehr Lust. Er verschanzt sich hinter seinem langen Pony, zockt, hört laut Musik und spricht nur das Nötigste. Als sein Vater ihn beim Schuleschwänzen erwischt, gibt es keine Diskussion: Gemeinsam sollen sie auf die Punta Liberté wandern. Widerrede lässt sein Vater nicht gelten, also packt Amedeo widerwillig seinen Rucksack und beide kehren der Zivilisation den Rücken.
Ohne Musik auf den Ohren sein Handy musste im Auto bleiben versucht Amedeo, das unermüdliche Gerede seines Vaters auszublenden. Zu allem Überfluss muss er sich auch noch seiner Höhenangst stellen, um den Gipfel zu erreichen. Doch dann kommt alles anders als geplant, und Amedeo ist zum ersten Mal in seinem Leben gezwungen, eigene Entscheidungen zu treffen
Da habe ich doch glatt eine weitere Lesepraline in diesem Monat gefunden. Besonders gefallen haben mir die ruhige, intensive Atmosphäre und die stimmige Sprache. Amedeo, der versucht, den Verlust seiner Mutter zu verdrängen eine Last, die für eine Kinderseele ohnehin kaum zu tragen ist und gleichzeitig mit den Herausforderungen der Pubertät kämpft, wirkte auf mich durchweg authentisch.
Fazit:
Ein schmales, feines Buch, das einen so in seinen Bann zieht, dass man es kaum noch aus der Hand legen möchte. Für mich war es ein Roman, dessen Protagonisten ich gerne noch ein Stück länger begleitet hätte. Leise, berührend und rundum gelungen.