Gleich am Anfang liegt etwas Ruhiges über der Geschichte, fast schwer, aber nicht unangenehm. Es geht um Dinge, die lange zurückliegen und trotzdem noch wirken. Um Entscheidungen, die geblieben sind, obwohl die Zeit weitergegangen ist.
Siv lebt Ende der vierziger Jahre im Norden Schwedens. Ihr Leben wirkt still und ziemlich eng. Vieles spricht sie nicht aus, vieles bleibt bei ihr. Eine alte Liebe hat sie nie ganz losgelassen, auch wenn sie inzwischen einen anderen Weg gehen musste. Das spürt man in ihren Gedanken und in dem, was sie für sich behält.
Viele Jahre später, im Jahr 2022, kommt Eva zurück in ihr Heimatdorf. Sie bringt ihren Sohn mit. Vor Ort trifft sie auf eine junge Frau, die sich für den Schutz der Wälder einsetzt. Daraus entsteht eine Situation, in der persönliche Konflikte schnell wieder hochkommen.
Die Vergangenheitsebene wirkt dichter. Sivs Leben ist stark geprägt von dem, was sie nicht leben konnte. Ihre Gefühle bleiben oft zwischen den Zeilen. Besonders ihre Verbindung zu Nila und ihr Sohn stehen im Hintergrund immer mit im Raum. Der Waldbrand verändert vieles und bringt Entscheidungen, die nicht mehr aufzuschieben sind.
Die Gegenwart wirkt sachlicher. Der Einsatz für den Wald steht im Mittelpunkt, dazu die Spannungen zwischen den Beteiligten. Das bleibt nachvollziehbar, erreicht aber nicht die gleiche Tiefe wie die historische Ebene.
Am Ende bleibt eine Geschichte mit viel Atmosphäre. Der stärkste Teil liegt klar in der Vergangenheit. Dort entstehen die Momente, die hängen bleiben. Die Gegenwart ergänzt das Ganze, ohne jedoch dieselbe Wirkung zu erreichen. Insgesamt ist es eine solide Erzählung mit glaubwürdigen Figuren und einer nordischen Stimmung, die gut trägt.
Dieser zweite Teil der Norrland-Saga ist Lektüre mit nordischer Atmosphäre. Vergangenheit und Gegenwart laufen nebeneinanderher und berühren sich an einigen Punkten.
4 Sterne und eine Leseempfehlung für alle, die Geschichten mögen, in denen Vergangenheit und Gegenwart ineinandergreifen und alte Gefühle noch spürbar bleiben.