Pepper wohnt zusammen mit ihrer Mutter in der Hamburger Hafencity. Seit Jahren hat sie nur einen Wunsch: Sie möchte wissen, wer ihr Vater ist. Doch ihre Mutter schweigt, und so bleibt Pepper nichts anderes übrig, als all ihre Fragen an ihren Vater in einem Notizbuch festzuhalten. Mit 17 Jahren erfährt sie endlich seinen Namen. Als sie Adresse herausfindet und ihn kurzerhand besuchen will, stellt sie fest, dass in seiner Männer-WG gerade ein Zimmer frei wird. Sie packt die Gelegenheit beim Schopf und zieht bei ihm ein ohne ihm zu verraten, wer sie wirklich ist.
Schon beim Durchblättern fällt die sorgfältige Gestaltung des Romans auf: Jedes Kapitel beginnt mit einer grauen Seite, die Gedanken aus Peppers Tagebuch oder einen Songtext der fiktiven 80er-Jahre Band Kimme & Popkorn enthält. Im Anhang findet sich sogar eine Diskographie der Band.
Der Schreibstil gefiel mir von Anfang an sehr: Man spürt sofort, dass es sich um anspruchsvolle Jugendliteratur handelt, die ihre Leser:innen ernst nimmt, ihnen etwas zutraut und keine einfachen Antworten liefert. Hier sticht der Roman auf jeden Fall aus der Masse an Jugendbüchern heraus. Die Dialoge sind lebensnah und glaubwürdig, zuweilen provokant, und die Figuren haben Ecken und Kanten.
Trotz dieser positiven Aspekte ist es mir schwer gefallen, mit dem Buch warm zu werden. Das lag zum einem sicher daran, dass mir die Hauptfigur Pepper fremd blieb. So ganz nachvollziehen konnte ich ihren enormen Drang, den leiblichen Vater kennenzulernen, nicht. Die Beziehung zu ihrer Mutter blieb recht blass und wirkte seltsam distanziert, aber nicht lieblos. Die schwierigste Figur im Buch ist für mich der (relativ alte) Vater, der viel Reibungsfläche bietet, nicht zuletzt durch seinen Altherren-Humor aus den 80ern. Überhaupt spielt in diesem Roman die ältere Generation für eine Coming-of-Age-Geschichte eine überdurchschnittlich große Rolle, weswegen ich mir nicht sicher bin, wie dies bei der Zielgruppe ab 14 Jahren ankommen wird. Zumindest meinen Sohn könnte man damit nicht erreichen. Einen Kritikpunkt habe ich als Mutter: Der allgegenwärtige Alkoholkonsum im Roman stört mich bei einem Jugendbuch sehr, vor allem, wenn er nicht kritisch hinterfragt, sondern als gesellschaftlich ganz normal vermittelt wird.
Die schönsten Momente hat das Buch für mich durch die Nebencharaktere wie ein lebenskluges und fideles Trio aus der Seniorenresidenz, das Pepper zur Seite steht.
Insgesamt fällt mein Fazit zwiespältig aus: Sprache und Erzählstil gefallen mir sehr und ich könnte mir gut vorstellen, ein anderes Buch des Autors zu lesen. Die konkrete Geschichte hier hat mich allerdings nicht erreicht.