Cover & Klappentext
In meinen Augen ist das Cover etwas zu überladen, sodass man sich kaum auf die Details konzentrieren kann. Auch spiegelt es weniger die Düsternis wider, die diesem Buch innewohnt.
Doch letztendlich kommt es auf den Inhalt an.
Der Klappentext vermittelt einen wagen Eindruck, aber hinter diesen Seiten lauern weitaus mehr Geheimnisse.
Meinung
Dank eines Stipendiums darf Ophelia an der Eliteschule Sorrowsong in den schottischen Highlands studieren, die im Grunde lediglich den gefährlichsten und skrupellosesten Familien vorbehalten ist. Doch ihr liegt weniger an einem Abschluss, sondern an Rache für den Tod ihrer Eltern.
Als Ophelia von einem Stalker bedroht wird, ist es ausgerechnet Alex, der Sohn ihres Hauptverdächtigen, der ihr beisteht. Dabei lernt sie ihn kennen, und obwohl sie sich sträubt, kann sie kaum leugnen, dass in Alex mehr steckt als anfangs angenommen.
Die Erwartungshaltung ist gelegentlich der größte Feind. Wird sie nicht erfüllt, ist man enttäuscht. Umso entspannter, wenn man ohne große Erwartungen an eine Story herangeht. So ist es mir hier ergangen. Die Autorin ist für mich eine Unbekannte. Der Klappentext klang zwar interessant, gab aber zu wenig her, um einen wirklichen Eindruck zu vermitteln.
Trotzdem oder gerade deswegen bin ich so froh, auf diese Story gestoßen zu sein. Sie ist weder oberflächlich noch unnötig brutal, sondern tiefgängig und pur. Ich habe jede Seite geliebt.
Aus der Sicht von Ophelia und Alex wird man durch das Geschehen geführt. Man konnte sofort die Melancholie wahrnehmen, die dieser Handlung anhaftet und bis zum Schluss bestehen bleibt. Mir liegen solche Geschichten. Ich mag die Abgründe der Menschen, das Dunkle, das Hoffnungslose. Doch die Autorin hat immer für einen Ausgleich gesorgt, weil diese Emotionen enorm bedrückend sind und auch in einem Buch zu anstrengend werden können. Ophelia, von Trauer gezeichnet und von Wut verzehrt, ist ungemein schlagfertig. Ihre Sprüche sorgten bei mir regelmäßig für Lacher. Auch einige Charaktere strahlen durch die Dunkelheit aufgrund ihrer lebensbejahenden und witzigen Art. Da konnte ich es verschmerzen, dass die beiden Hauptprotagonisten, so unterschiedlich sie auf den ersten Blick auch scheinen mögen, doch mehr traurige Gemeinsamkeiten haben als anfangs ersichtlich.
Der Schreibstil sorgt für einen leichten Einstieg, obwohl ich eine Weile brauchte, um mich richtig mit Ophelia zu verbinden. Hier geht es weniger um Sympathie. Davon kann man nicht sprechen, wenn die Hauptprotagonistin so angelegt ist, dass man lange braucht, um sie kennenzulernen. Denn sie versteckt sich hinter Ablehnung und suhlt sich in ihrer Einsamkeit. Freundlichkeit begegnet sie mit Misstrauen. Natürlich sind das alles Schutzmechanismen, die aber verhindern, dass man ihre nahekommt.
Damit ist die Autorin ein Risiko eingegangen, denn eine gute Story steht und fällt mit starken, aussagekräftigen, präsenten Hauptprotagonisten, mit denen man sich identifizieren kann. Das ist zwar hier der Fall, aber es fällt doch deutlich leichter, wenn nicht alles so trist und grau ist.
Ich hingegen fühle mich in der Dunkelheit wohl. Ich liebe die Abgründe und die Tiefe, die damit einhergehen. Und das findet sich in diesem Roman wieder. Sowohl bei Ophelia als auch bei Alex. Es scheint, als könnten sie sich nur zusammen heilen. Diese Intensität hat mich zutiefst beeindruckt, weil sie so authentisch dargestellt wurde.
Dank der geschmeidigen Wortwahl, die einen flüssig durch das Buch führt, konnte ich mich komplett auf den Inhalt konzentrieren. Auch wenn relativ schnell klar ist, wer der Stalker ist, finden sich einige unvorhergesehene Wendungen und Spannungsspitzen, die dafür sorgen, dass man gern dranbleibt.
Einzig kleinere Sprünge in den Szenen haben mich anfangs irritiert. Es wurde Bezug auf Dinge genommen, die vorher nicht relevant waren. Doch darüber konnte ich im Verlauf hinwegsehen, schon allein wegen der Eigenheiten, die den ersten Teil zu etwas Besonderem machen.
Nightshade ist ein kleines Meisterwerk, dessen zweiten Teil ich kaum erwarten kann.
Fazit
Gift trifft auf Rätsel trifft auf Zitate.
Wer vor intensiven, tiefgründigen Geschichten nicht zurückschreckt, der ist hier genau richtig. Die Autorin versteht es, mit den Emotionen zu spielen, sodass man sich auf eine gefühlsmäßige Achterbahnfahrt einstellen sollte. Man wird zerstört, wiederaufgebaut, umarmt und weggestoßen.
Von mir gibt es vier von fünf Sternen und eine klare Leseempfehlung.