Schwer lastet sie sommerliche Hitze über Grayan an der Côte d'Argent am Atlantik. Die Bewohner von Euronat, dem größten FFK-Camp Europas freuen sich über ein textilfreies Leben, viele davon leben ganzjährig hier. Noch, denn der Idylle droht große Gefahr. Denn der erzkonservativen Bürgermeisterin sind die vielen Nackten, die sich vor rund 50 Jahren in einem abgeschirmten Bereich niedergelassen haben, ein Dorn im Auge. Kurzerhand kündigt sie den Pachtvertrag unter fadenscheinigen Gründen.
Wir haben es hier mit einer Sekte zu tun einer Sekte, die für Nacktheit und Eskapismus steht. Das Gegenteil von Moral, die pure Sünde. (S. 55)
Doch damit nicht genug, die Eigentümer der Häuser sollen entschädigungslos enteignet werden und der Grund an eine finanzkräftige Investorengruppe, die Luxushotels errichten will, verhökert werden. Bei der Pressekonfernz erhält sie Unterstützung vom ehrgeizigen Staatssekretär Guy Martinez, der politisch hoch hinaus will. Am nächsten Morgen liegt Guy splitterfasernackt und tot am Strand.
Luc Verlain und sein Team, dem nun auch Rose Schillinger, die wir im letzten Band Wolfstal kennengelernt haben, angehört, beginnen mit den Ermittlungen.
Hat einer der Campingplatzbewohner zur Selbsthilfe gegriffen? Ist der Politiker, der Staatssekretär im Verteidigungsministerium war, ein Zufallsopfer oder wurde der moralische Hardliner gezielt an den Strand gelockt? Und welche Rolle spielt das muslimische Brüderpaar, von dem einer Wasser predigt und selbst den sprichwörtlichen Wein trinkt?
Fragen über Fragen, die beantwortet werden müssen. Doch bevor es dazu kommt, ist schon der Inlandsgeheimdienst zur Stelle und versucht die Ermittlungen an sich zu reißen.
Meine Meinung:
Alexander Oetker hat mit diesem Krimi einen sehr komplexen und spannenden geschrieben, bei dem wenig so ist, wie es zunächst den Anschein hat. Fix ist, dass sich in Frankreich (rechts)konservative Politik breitmacht, die ihr eigene trübe Suppe kocht. Die moralinsaure Bürgermeisterin will die Camper vertreiben, koste es was es wolle. Dass letztendlich sie selbst auf der Strecke bleiben wird, hat sie nicht einkalkuliert. Wie das passieren wird, das ist paradoxerweise das Vermächtnis von Guy Martinez, der den Campern einen juristischen Tipp gegeben hat. Guy Martinez selbst ist eine ziemlich ambivalente Figur.
Während Luc Verlain sich unter den Nackten ziemlich unwohl fühlt, ist Rose Schillinger recht entspannt. Ihre elsässische Familie hat vor Jahren selbst hier Urlaub gemacht. Sie kennt daher den Hausbrauch und ihre Zweisprachigkeit hilft bei den Ermittlungen, ist doch die Mehrheit der Urlauber aus Deutschland. Die Deutschen sind im Angesicht, der von der deutschen Wehrmacht errichteten Bunker des AtIantikwalls, nicht immer gerne gesehen, verhelfen aber den französischen Geschäftsleuten zu hohen Einnahmen.
Wie gut Luc mit seinem Team umgeht, zeigt sich, als Yacine einen folgenschweren Fehler begeht, der ihn vermutlich seine Karriere bei der Polizei kosten könnte. Ich denke, das wird im nächsten Band Thema sein.
Wie immer hat Autor Alexander Oetker politische und gesellschaftliche Themen, den Konflikt zwischen den verschiedenen Diensten Frankreichs sowie Lokalkolorit und einer Portion Humor zu einen fesselnden Krimi verquickt.
Fazit:
Auch der 10. Fall für Luc Verlain überzeugt, weshalb er von mir mit 5 Sternen bewertet wird.