Das Meer ist magisch. Es spült Erinnerungen hervor und bringt die Gedanken zum Tanzen. Wer vergessen hat, dass nichts im Leben mehr Bestand hat als die Sandburgen aus Kindertage, der war für Magritte einfach kein interessanter Umgang.
Für den großen Surrealisten zählte der Augenblick. Die Freude daran. Das Spiel. Der Schabernack. Das stürmische Meer. Entdeckungen. Misstrauisch bleiben.
Prompt finden Magritte & Georgette am Strand eine Leiche. Eigentlich wollten sie Urlaub machen in Knokke-le-Zout, doch Georgette ahnt, dass mehr dahinter steckt als der Unfall, von dem die Polizei ausgeht. Gemeinsam mit ihrem griesgrämigen, bissigen und berühmten Mann beginnt sie zu ermitteln.
Nadine Monfils begibt sich im zweiten Band von Magritte & Georgette erneut auf eine Reise zum Surrealen und Absurden, hinein in die Welt des René Magritte. Voller Hingabe an die Figuren und mit hinreißend poetischen Sätzen lässt sie die Eigenarten, die Gedankenwelt und immer wieder seine Kunst vor der belgischen Kulisse auferstehen. Auch hier ist der Protagonist kein Unbekannter, vor Kurzem erst eröffnete er eine Werkschau im Casino des mondänen Badeortes.
Die Nordsee bringt mit ihrem facettenreichen Gesicht das Beste und das Schlechteste in den Tourist*innen hervor, und so dient der Strand dem großen Surrealisten nicht nur als Gedankenquelle, sondern auch als Ort des Grauens, wenn die verhassten Nachbarn aus Brüssel auftauchen und lärmende Blagen die Ruhe stören.
Das schrullige Ermittlerduo erinnert stark an Holmes und Watson. Georgette fühlt sich dabei sichtlich wohl in der Rolle der versierten Meisterdetektivin. Die kurzweilige Kriminalgeschichte ist schönste Urlaubslektüre, während zeitgleich unzählige Details aus dem Leben und dem Umfeld des Künstlers sein Handeln und Denken bestimmen. Das ist wunderbar fundiert recherchiert und macht große Lust, all die erwähnten Kunstwerke zu betrachten.
Magritte verweigerte die Interpretation seiner Werke, er glaubte an die Freiheit des Geistes und seine Wandlungsfähigkeit. War auch äußerlich alles in geregelten Bahnen, so segelte er gerne auf der stürmischen See seiner Gedanken. Sein Anspruch an die Kunst war das Schöne, das Kindliche, das Spielerische, das Traumhafte, das Ungreifbare. Genau so unterstützt er auch die Ermittlungen. Und ganz nebenbei wird unglaublich viel gegessen und getrunken, gelesen und das Leben geliebt. Wo geht das besser als mit Cosy Crime im Sommer am Meer!