GRETAS MÄNNER
Judith Reusch
ET: 26.02.26
"Ich bereue nichts. Nichts, was ich getan habe. Ich bereue nur das, was ich nicht getan habe. (Kapitel 13)
Die 30-jährige Lola hat ihre Großmutter Greta nie kennengelernt. Ihre Mutter Marie wollte das nie zu viel ist zwischen ihr und Greta vorgefallen. Seit ihrem Studium hat Marie keinen Kontakt mehr zu ihr. Allein die Tatsache, dass Greta fünfmal verheiratet war, ist für sie kaum zu ertragen. Alle ihre Männer hat sie unter die Erde gebracht, witzelte sie auf Familienfeiern. Verzeihen konnte Marie ihrer Mutter nie und so war es für sie nur konsequent, auch Lola den Kontakt zu verbieten.
Doch als Lola selbst ein kleines Mädchen zur Welt bringt, trifft sie eine Entscheidung, die alles verändert: Sie nennt ihre Tochter Greta. Sehr zum Missfallen ihrer Mutter schaltet sie zudem eine Geburtsanzeige in der lokalen Zeitung. Wenige Tage später erhält die kleine Greta Post von ihrer Urgroßmutter die ganz in der Nähe in einer Seniorenresidenz lebt.
Lolas Neugier ist geweckt. Sie beschließt, die Persona non grata, wie Marie sie nennt, zu besuchen. Und dort bekommt Greta zum ersten Mal die Möglichkeit, ihre eigene Version der Geschichte zu erzählen. Mit jedem Stück, das sie preisgibt, lernen nicht nur Lola, sondern auch wir sie und ihr Leben besser kennen.
Was für eine berührende Geschichte. Greta ist eine unglaublich warmherzige Frau, die man sofort ins Herz schließt. So ehrlich und nah erzählt sie von ihrem Leben und all den Verlusten, die sie geprägt haben. Besonders gefielen mir Lulus Assoziationen zwischen Menschen und Blumen. Auch die Einschübe anderer Personen, die ihre Sicht auf Greta schildern, haben der Geschichte noch einmal mehr Tiefe gegeben.
Ich durfte das Buch nicht nur lesen, sondern auch parallel das Hörbuch hören, das von Irina Scholz und Fanny Bechert sehr stimmungsvoll eingesprochen wurde.
Fazit:
Eine berührende, authentische Familiengeschichte mit viel Gefühl und starken Figuren. Für mich eines der schönsten Generationsromane der letzten Zeit.
5/5