Wow, dieses Buch ist für mich ein absolutes Highlight geworden. Ich hatte Tränen in den Augen und war zutiefst bewegt von den Hintergründen und Schicksalen der Protagonisten.
Yin Wei muss schon in jungen Jahren schnell erwachsen werden. Die Hungersnot des Landes hat ihr schon viele Geschwister geraubt. Die Dorfbewohner halten zusammen und helfen einander, wo es geht, um noch mehr Verluste zu vermeiden. Als sich ihr also die Möglichkeit bietet, Konkubine von Prinz Terren zu werden, willigt sie trotz der Gerüchte über die gewalttätige Natur des unsterblichen Prinzen ein. Leider bleibt es nicht bei Gerüchten, und Wei erfährt am eigenen Leib, wie brutal der Zorn des Prinzen ist. Doch es gibt noch einen weiteren Thronanwärter, Maro, der im Vergleich zu seinem Bruder ein Lichtblick für die Nation ist. Um den unsterblichen Terren zu stürzen, bleibt ihr jedoch nur eine einzige Möglichkeit: das Herzseelengedicht. Doch dieses funktioniert nur, wenn sie für ihn Liebe empfindet, doch wie soll man jemanden lieben, der einem so viel Leid zugefügt hat?
Das Worldbuilding und die Schauplätze waren einfach einzigartig. Der Schreibstil ist, wie der Buchtitel verspricht, poetisch gehalten und hat einen wunderschönen Fluss, sodass ich das Buch nicht weglegen wollte. Es gibt so viele Details, die sich unterschiedlich interpretieren lassen. Die Dualität zeigt sich nicht nur in den Figuren, sondern auch im gesamten Palast, der auf der einen Seite traumhaft schön und gleichzeitig unglaublich düster ist. Blumen und Schwerter hängen in allen Räumen von der Decke. Obwohl die Blumen die Klingen teilweise verbergen, bleibt ihre Bedrohung bestehen, denn mit nur einem Kommando von Prinz Terren gehorchen die Klingen auf ihren Meister. Was ich sehr originell fand und so noch nirgends gelesen habe, waren die Fantasy-Elemente bezüglich der Tiere, die Felle aus Blättern und Blumen hatten.
Die Charaktere sind fantastisch ausgearbeitet. Keiner von ihnen ist eindeutig gut oder böse, man hasst sie in der einen Minute, während man in der nächsten tiefes Mitgefühl für sie empfindet. Schon lange hatte ich keinen so komplexen Charakter auf Buchseiten vor mir wie Terren. Um das todbringende Gedicht zu vollenden, begibt sich Wei auf eine Reise in die Vergangenheit. Anhand von alten Tagebucheinträgen und Berichten von Angestellten erfährt der Leser hautnah, warum Terren zu so einem Monster geworden ist. Seine Geschichte hatte es echt in sich, und ich möchte auf die Triggerwarnungen hinweisen. Ich musste das Buch manchmal kurz zur Seite legen, weil mich das Ganze so bewegt hat.
Weis Entwicklung war ein eigenes Highlight für sich. Aus ihrem Dorf ist sie dem Zusammenhalt gewohnt, doch im Palast herrscht ein erbarmungsloser Krieg zwischen den Konkubinen, die auch alle an die Macht kommen wollen. Sie muss also nicht nur Terren, sondern auch ihre Konkurrentinnen überleben. Und dann ist da noch der lange Streit zwischen Maro und Terren, den sie entschlüsseln muss. Wei wird im Laufe der Geschichte vor vielen Entscheidungen gestellt, bei denen sie an ihre eigenen moralischen Grenzen kommt. Die Last von so viel Macht und Verantwortung ist in jeder ihrer Handlungen spürbar. Für mich war sie eine authentische und unfassbar starke Protagonistin, die mir noch lange im Gedächtnis bleiben wird.
Fazit: Eine unglaublich schöne und tragische Geschichte über Macht, Verantwortung und Liebe, wenn auch nicht im klassischen Sinne. Ich war am Ende so überrascht, wie sich meine Gefühle bezüglich der Figuren im Laufe verändert haben. Es ist kaum zu glauben, dass dieses Buch Shen Taos Debütroman ist. Ich bin unglaublich gespannt auf die zukünftigen Werke der Autorin.