Was für ein atmosphärischer und gesellschaftlich bewegender Roman. Die starke Darstellung der Frauen und die Zeitgeschichte rund um den Kaiserstuhl haben mich echt beeindruckt.
Die Protagonistin ist mir schnell ans Herz gewachsen. Johanna ist die Erste in ihrer Familie die studiert. Sie genießt in Freiburg die neuen Freiheiten und scheint ihren eigenen Weg zu gehen. Doch nach dem Tod des Vaters kehrt sie zurück und übernimmt gemeinsam mit ihrer Mutter und Großmutter den Winzerbetrieb.
Ich fand den Alltag der drei Frauen sehr interessant. Wie sich ihren Alltag meistern und sich in einer Zeit behaupten müssen, in der Frauen längst nicht die gleichen Möglichkeiten und Anerkennung bekommen wie Männer.
Johannas Weg hat mir dabei besonders gut gefallen. Sie muss immer wieder Entscheidungen treffen, die nicht unbedingt dem entsprechen, was die Gesellschaft von ihr erwartet. Auch ihre Entscheidung, ihr Kind allein großzuziehen, zeugt von viel Stärke und Mut. Gleichzeitig ist sie keine unfehlbare Heldin. Denn sie hat Zweifel und Wünsche, sowie Ecken und Kanten.
Sehr interessant fand ich auch den historischen Hintergrund. Der Widerstand gegen das geplante Kernkraftwerk bringt eine ganz andere Ebene in die Geschichte. Zu beobachten, wie sich Menschen zusammenschließen, unterschiedliche Interessen aufeinandertreffen und aus einzelnen Stimmen langsam eine Bewegung entsteht, fand ich wirklich spannend.
Besonders mochte ich außerdem die Freundschaft zwischen Johanna und Luzie. Trotz ihrer unterschiedlichen Lebenswege bleiben die beiden miteinander verbunden und stehen füreinander ein.
Allerdings hatte die Geschichte für mich zwischendurch einige Längen. Gerade bei den politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen hätte ich mir an manchen Stellen etwas mehr Tempo gewünscht. Dadurch konnte mich die Geschichte nicht durchgehend gleichermaßen fesseln.
Trotzdem hat mich die Story vor allem durch seine starken Frauenfiguren, die interessante Zeitspanne und die authentische Atmosphäre überzeugt.