Berlin in den 1980er-Jahren: Lale kommt mit denkbar ungünstigen Startbedingungen auf die Welt. Ihre Mutter ist abhängig, ihr Vater ein Krimineller. Statt in einer intakten Familie und einer behüteten Umgebung wächst sie daher unter prekären Bedingungen auf. In der Männer-WG, in der sie lebt, wird viel über linke Politik, aber kaum über Regeln und Grenzen gesprochen. Und das bleibt nicht das einzige Problem
Mit beiden Händen den Himmel stützen ist der Debütroman von Lilli Tollkien.
Der Roman umfasst 32 kurze Kapitel. Erzählt wird die Geschichte im Präsens und in der Ich-Perspektive aus der Sicht von Lale, in chronologischer Reihenfolge, aber immer wieder mit größeren Zeitsprüngen. Letzteres führt leider dazu, dass die Geschichte ein wenig episodenhaft erscheint. Dabei umspannt die Handlung die Zeit von ihrer Geburt über ihre Kindheit und Jugend bis ins (junge) Erwachsenenalter.
Der Inhalt des Romans ist harter Tobak. Es geht um verschiedene Formen von Gewalt, um Alkohol- und Drogenmissbrauch, um Kriminalität und Gefängnisaufenthalte, um Trauer, Verluste und Vernachlässigung. Auch psychische Erkrankungen werden thematisiert. Dabei entfaltet die Geschichte auch eine feministische Dimension: Sie zeigt die Probleme des Patriarchats und misogyne Strukturen auf.
Zwar stellt der Roman eine fiktionale Geschichte dar, basiert aber auf realen Erlebnissen und autobiografischen Elementen, was das Geschilderte noch eindrücklicher und erschütternder macht. Auf den rund 250 Seiten wirkt die Handlung vielleicht auch deshalb besonders authentisch und in sich stimmig.
Die Musik spielt ebenfalls immer wieder eine Rolle. Die Lieder, die Protagonistin Lale hört, hat die Autorin zu einer Playlist zusammengestellt, worauf es im Roman selbst leider keinen Hinweis gibt.
Der Text wirkt beinahe roh. Er ist schnörkellos, zugleich jedoch atmosphärisch, anschaulich und von ungewöhnlichen Bildern durchzogen. Das sorgt für einen ganz eigenen, unverkennbaren Sound, der hervorragend zur Geschichte passt. Auch der metaphorische Titel des Romans fügt sich gut ein.
Mein Fazit:
Mit beiden Händen den Himmel stützen von Lilli Tollkien ist ein eindrucksvoller Roman, der mit seiner besonderen Sprache und dem aufrüttelnden Inhalt noch lange im Gedächtnis bleiben wird. Ein empfehlenswertes Debüt!