Wir kennen alle diese rosarote Blase, die uns umgibt, wenn wir jemanden kennenlernen. Alles ist neu, aufregend und wunderschön. Wir sehen nur das, was wir sehen wollen und bemühen uns, die kleine Pflanze der Beziehung zu hegen und zu pflegen, weil wir uns mehr erhoffen, die Liebe unseres Lebens wittern, alles Herzblut hineinstecken. Aber dann kommt der Alltag, der erste Plan fürs gemeinsame Leben steht, Hund, Haus und Kind sind auf der Agenda nach Prioritäten geordnet. Und dann? Es folgt die realistische Variante, die erste Ruhe nach dem Liebessturm und damit einhergehend die große Herausforderung, die zwischenmenschliche Beziehungen mit sich bringen.
Genau das erleben Coralie und Adam, nach einem wunderschönen Kennenlernen 2013 folgt der klassische Plan und mit ihm das, was uns alle einholt: der Alltag, das Auf und Ab der Beziehung und die Herausforderungen der Zeit, die es zu überwinden gilt. Damit es am Ende noch ein richtiges Wir gibt und nicht ein lediglich gefühltes, das ein Schattendasein führt.
Jessica Stanley schildert in ihrem Roman die nüchterne Realität der Liebe- wir alle kennen sie, aber in Romanen wird meistens lediglich die erste Zeit geschildert, das romantische, herzergreifende und viele Hören auf nach dem ersten Tief mit einem Happy End, bei dem ich nicht schon oft gefragt habe, wie es wohl weiterging. Die Stärke des Romans liegt jedoch in der realitätsnahen Schilderung einer Londoner Patchworkfamilie unter dem Stern der Brexit Frage. Somit sind die Herausforderungen nicht mehr nur die, zwischen den Protagonisten, sondern auch die ihrer Zeit, politisch und wirtschaftlich, die auf die Familie einprasseln. Es ist ein Roman, der aneckt, sich stellenweise unangenehm liest, aber darin liegt auch seine Stärke. Nicht alltäglich, aber so nah an dem Leben nach dem Happy End, die Geschichte, die sonst keiner erzählen will.