Die Veröffentlichung von Die Summe aller Dinge konnte ich kaum erwarten. Oliver Bottini ist einer der ganz Großen der Kriminalliteratur, und diesen hochkomplexen Thriller nenne ich ohne zu zögern einen neuen Geniestreich.
Was für ein brillanter Plot, was für eine mentale Anstrengung, die dunkelste Seite des menschlichen Wesens ans Licht zu zerren und sie in ihrer ganzen Hässlichkeit vorzuführen.
2018. Zaid erschießt sich. Sein Freund Freddy wird in London überfahren, auf Erik wird auf Capri ein Mordanschlag verübt. Zaids Frau Vera Berg ist Polizistin. Von Trauer und Entsetzen gelähmt begibt sie sich auf Spurensuche, fährt nach Capri, will verstehen, was ihr Mann verheimlichte und was hinter den Mordesn steckt.
Vera erfährt, dass die Staatsanwaltschaft bereits ermittelt. Die Skyline beginnt zu bröckeln, das Konstrukt um den milliardenschweren Finanzbetrug bekommt Risse. Welche Rolle spielte Zaid? Vera beginnt zu forschen und begibt sich ins Fadenkreuz derjenigen, die glauben, sie seien das Gesetz. Sie setzt ihr Leben aufs Spiel.
Die Summe aller Dinge spannt einen Bogen von Frankfurt, in den Taunus, über Sardinien, Capri, Spanien, Gibraltar, London New York und Beirut, folgt den Spuren des Betrugs. Die Orte werden greifbar, die Traurigkeit quillt zwischen der Sprachlosigkeit hervor. Der Widerspruch aus der bedingungslosen Liebe und dem millionenschweren Finanzskandal, der von Gier, Skrupellosigkeit, Egomanie, Verblendung und moralischen Labilität erzählt, ist zerreißend.
Oliver Bottini begibt sich in die Abgründe des Finanzskandals um Cum-Ex. Er deckt die wirtschaftlichen Zusammenhänge auf, orientiert sich an der politischen Realität und verarbeitet die organisierte Wirtschaftskriminalität zu Literatur. Genau recherchiert, haarsträubend und sprachlich sensationell gut.