Cover & Klappentext
Das Cover der Fortsetzung lehnt an das von Band eins an, ist aber in meinen Augen weniger gelungen, obwohl es zur Story passt.
Dafür verspricht der Klappentext einen spannenden, emotionsgeladenen zweiten Teil, der die Erwartungshaltung deutlich in die Höhe schnellen lässt.
Meinung
Reid ist ins Leben zurückgekehrt, doch dafür opfert Vaasa ihre Macht und geht mit Ozik zurück nach Asteria, um ihm dort als Marionette den Thron zu überantworten.
Währenddessen lässt Reid nichts unversucht, seine Frau zu befreien, begibt sich sogar in die Höhle des Löwen, ohne zu ahnen, dass Vaasa droht, sich selbst zu verlieren. Gefangen in den Intrigen, deren Opfer sie wird und selbst spinnt.
Aus der Sicht von Vaasa, Reid und indirekt Ozik wird man durch das Geschehen geführt. Da ich kurz zuvor Band eins nochmals gelesen habe, hatte ich keinerlei Schwierigkeiten, in die Geschichte zu finden. Das kann ich nur empfehlen, schließlich war schon der Einstieg in die Trilogie sehr vielschichtig und komplex.
Der Schreibstil ist nach wie vor geschmeidig und gibt der Handlung genügend Raum, sich zu entfalten, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Dafür wechselt in diesem Teil das Tempo recht abrupt. Längen werden von rasanten Szenen abgelöst, und umgekehrt. Das verursacht zu Beginn ein mittelschweres Schleudertrauma, bis man sich daran gewöhnt hat. Trotzdem konnte ich das Buch unmöglich aus der Hand legen. Dafür sorgt nicht allein Vaasa, die hier nicht nur ihre starke Seite zeigt, sondern auch diverse Schwächen und vor allem noch mehr Ängste. Die Rückkehr nach Asteria verlangt ihr alles ab. Dabei ist das Fehlen von Reid ihre geringste Sorge. Das Spiel von Ozik scheint undurchschaubar, aber hier erfährt man endlich, was in ihm vorgeht, die Hintergründe seiner Vergangenheit.
Obwohl Vaasa und Reid nur wenig traue Zweisamkeit genießen durften, ebbt die Liebe zwischen den beiden nicht ab. Deshalb unternehmen beide alles, um schlussendlich wieder zueinanderzufinden. Dafür scheuen sie weder vor Verrat noch Manipulationen zurück.
Dieser Umstand suggeriert Hoffnung, die wiederum die vorherrschende Ausweglosigkeit etwas ausgleicht. Dennoch ist dieser Band harte Kost und für Zartbesaitete weniger geeignet.
Nachdem Vaasa sich endlich mit ihrer Magie abgefunden hat, ja, sie geradezu willkommen geheißen hat, wurde sie ihr entrissen, sodass sie nur dann Zugang dazu erhält, wenn Ozik es ihr gestattet. Gerade das Anfreunden mit ihrer Magie, die sie nicht mehr als Fluch wahrnimmt, hat Vaasa deutlich verändert. Diese Entwicklung wurde glaubwürdig dargestellt. Das sorgt auch dafür, dass man die Hauptprotagonistin noch intensiver kennenlernt, ihr quasi bis in den tiefsten Winkel der Seele blickt. Und so ist der Umstand und die Befürchtung, dass sie droht, sich selbst zu verlieren, umso greifbarer und authentischer.
In diesem Band wurde das Setting erneut nach Asteria verlagert. Dort geht es deutlich anders zu. So, wie Vaasa ihre ehemalige Heimat sieht, wird sie auch beschrieben. Völlig machtzerfressen. Ein jeder scheint den Thron zu begehren.
Auch hier wurden die politischen Strukturen ausreichend erklärt, um Nachvollziehbarkeit zu generieren, aber ohne die trockene Seite der Politik.
Mit der Fortsetzung hat die Autorin noch mal die Spannung erhöht. Während in Ikruria alles hell und fröhlich schien, vermittelt Asteria Düsternis, die beinahe alles überlagert. Und diese Düsternis scheint Vaasa nach und nach zu vergiften.
Fesselnde Szenen mit atemberaubender Spannung werden nur ab und an von romantischen Abschnitten unterbrochen.
Das Ende des zweiten Teils erlöst den Leser ein wenig von der Dauerspannung, ohne allzu frustriert zurückzubleiben. Das ist gut, denn ich kann das Finale jetzt schon kaum noch erwarten.
Fazit
The Wicked an the Damned ist eine absolut spannende Fortsetzung, die meine Erwartungshaltung sogar übertroffen hat. Die Autorin überzeugt mit einer Geschichte über Intrigen, Manipulationen, Magie, Schmerz und Hoffnung, die den Leser in einen wahren Strudel der Emotionen wirft.
Ich vergebe erneut viereinhalb Sterne, runde jedoch auf fünf auf, und eine klare Leseempfehlung.