Im Jahr der Waldblüte, Familiensaga, EBook, dtv Verlag
Zwei ergreifende Frauenschicksale.
Babette und Burgi sind Freundinnen, sie wurden in den frühen 40er Jahren im Berchtesgadener Land geboren. Babette beugt sich dem willen ihrer Mutter und heiratet in eine angesehene Berchtesgadener Familie, Während Burgi dem ihr angedachten und von den Eltern ausgesuchten, um einige Jahre älteren Mann verschmäht und von daheim flüchtet. Beide Frauen zahlen einen hohen Preis um ein eigenständiges Leben zu führen, doch entgegen aller Widerstände halten sie an ihrem selbstbestimmten Leben fest.
Als Babette geboren wird blühte der Wald und immer wieder, wenn bedeutende Wendungen in ihrem Leben anstanden, hat der Wald geblüht. Bettina Seidl kann hervorragend erzählen, über das Leben im Einklang mit der Natur, über das harte und schwierige Leben in vergangener Zeit, auf einem Einödhof, hoch in den Bergen, gerade für Frauen. Bildhaft schildert sie über die traditionelle Arbeit im Berchtesgadener Land. Spanschachteln zu bemalen, über das Imkern, das Gärtnern und das Versorgen der Familie, die Stellung einer verheirateten Frau. Dazu im Gegensatz, das Leben von Burgi, in einer großen Stadt als junges Mädchen, ohne Angehörige, die als Krankenschwester großstädtisch und alleinstehend ihr Leben lebt.
Das Buch handelt von einer großen Liebe die niemals erfüllt wird, das war sehr emotional und traurig. Mich hat das Schicksal beider Frauen zutiefst berührt, ich habe das Buch in kürzester Zeit ausgelesen, weil ich keine Stelle gefunden habe, an der ich es aus der Hand legen wollte. Der Roman besteht aus 74 Kapiteln, in mehreren Zeitebenen, jedes Kapitel ist mit Zeitangabe versehen, damit der Leser den Überblick nicht verliert. Schwer getan habe ich mich mit den Frauen in Babettes Familie, immer wieder musste ich überlegen wer nun Mutter Oma oder Tochter ist, mit der Zeit konnte ich mich jedoch orientieren, und Babette erst als Mädchen, dann als Frau und später als Oma einordnen. Dazwischen immer wieder Kapitel mit der Überschrift heute. Den Übergang von damals in die Gegenwart, den hat die Autorin gefühlvoll und authentisch erzählt. Neuerungen, vom Kohleherd zum elektrischen Herd. Kleidung, Fahrzeuge, Fremdenverkehr, die Entwicklung um Berchtesgaden ist nachvollziehbar und interessant geschildert. Dazu passt auch, wie sich die bemalten Spanschachteln mit der Zeit verändert haben.
Die Figuren sind so echt geschildert, man meint sie persönlich zu kennen. Leni Babette und auch Rosa, die sind mir so lieb geworden, vor allem Babette wie sie konsequent ihr Leben gemeistert hat, hat mir viel Hochachtung abverlangt. Dagegen Irmingard, die die böse Schwiegermutter gibt, mit ihrer gesamten Familie, haben mich mitunter sehr zornig gemacht.
Ich habe schon die Dorflehrerin-Bücher von Seidl, die in der gleichen Gegend spielen, genossen. Diese beschriebene Region ist mir selber lieb und vertraut. Genauso wunderschön, wild und atmosphärisch hat die Autorin, die Landschaft ihre Heimat, bildhaft dargestellt. Das prägt auch den Charakter der Handelnden.
Von mir 5 Sterne und eine Leseempfehlung