Warum geraten Paare immer wieder in dieselben Konflikte, obwohl sie es eigentlich besser wissen? Dieser Frage geht Susanne Vömel in Tanz der inneren Kinder nach. Sie zeigt, wie frühere Erfahrungen unsere Erwartungen an Nähe und Geborgenheit beeinflussen und weshalb manche Reaktionen in einer Partnerschaft heftiger ausfallen, als es die aktuelle Situation vermuten lässt.
Besonders gefallen hat mir die verständliche Vermittlung der psychologischen Zusammenhänge. Auch ohne Vorwissen kann man den Erklärungen gut folgen. Der Gedanke, dass hinter Kontrolle oder Rückzug auch Scham, Angst und ein verletzlicher Selbstwert stecken können, eröffnet einen nachdenklicheren Blick auf solche Verhaltensweisen. Das entschuldigt nicht jedes Verhalten, hilft aber dabei, vorschnelle Urteile zu hinterfragen.
Die Fallgeschichten machen vieles anschaulich und bieten Anknüpfungspunkte zum eigenen Alltag. Allerdings waren mir manche Passagen etwas zu ausgeschmückt.
Inhaltlich hätte ich mir stellenweise einen breiteren Blick gewünscht. Die Kindheit erhält als Erklärung für spätere Beziehungsprobleme sehr viel Gewicht. Aktuelle Belastungen, individuelle Unterschiede und Erfahrungen im weiteren Lebensverlauf treten dagegen eher zurück. Außerdem bleibt nicht immer deutlich, welche Aussagen auf Forschung beruhen und welche ein theoretisches Modell oder die therapeutische Erfahrung der Autorin widerspiegeln.
Insgesamt ist Tanz der inneren Kinder ein gut zugängliches und anregendes Buch, das für unbewusste Dynamiken in Beziehungen sensibilisiert. Trotz einiger einseitiger Erklärungen habe ich daraus interessante Impulse mitgenommen. Empfehlenswert für alle, die eigene Reaktionen und wiederkehrende Konflikte besser verstehen möchten und offen für eine psychodynamische Perspektive sind.