Queen of faces von Petra Lord / Rezension
Es war ein Jungenkörper, entworfen für einen Jungen. Und er war im Begriff zu sterben. Ein grauer Käfig, der von Tag zu Tag enger wurde.
Die Reihenfolge der Ereignisse war so: Leseprobe gelesen, begeistert gewesen, später über 100 Seiten gewesen, immer noch begeistert. Dann Absturz, bis ca. Seite 400 gequält, Spoiler im Internet angeschaut, Abbruch, Abbruchrezension gepostet, wo ich es musste. Eine Woche drüber geschlafen, die letzten Seiten doch noch durchgequält und jetzt bin ich hier. hello !
Achtung: ich freue mich für jeden, der das Buch toll findet und habe absolut nicht die Absicht, das Buch schlecht zu machen. Negative und positive Meinungen können nebeneinander existieren und beide sind ehrlich. Es ist ein Debüt, deshalb habe ich mich entschieden durchschnittlich und nicht super schlecht zu bewerten. Natürlich ist viel Liebe und Herzblut reingeflossen.
Das Buch hat definitiv ein cooles Magiesystem: In der Welt kann man sich Körper kaufen und diese tragen, wenn der eigene Körper versagt. Männer können weibliche Körper tragen und Frauen männliche. Natürlich gibt es aber einen Haken: freie Körperwahl und Zugang zu hochwertig hergestellten Körpern haben nur die Reichen und Mächtigen.
Unsere Protagonistin Ana ist hingegen arm und trägt, seit eine schwere Verletzung ihren eigenen Körper zerstört hat, einen schwächelnden Jungenkörper, der auch nicht mehr lange funktionieren wird. Nachdem sie immerzu von der magischen Schule Paragon abgelehnt wird (dort bekommt man Körper gestellt), versucht sie einen guten Körper zu stehlen, wird aber ausgerechnet vom Direktor der Schule geschnappt und geht mit ihm einen Deal ein.
Parallel hierzu gibt es noch einen anderen POV. Diese Person hat insgesamt 3 Namen und jemand anderes schlüpft hingegen in ihre ursprüngliche Rolle. Mehr verrate ich nicht und im letzten Drittel weiß ich ja auch keine Details mehr.
Wichtig: Man kann total gut folgen, es klingt komplex, ist aber wirklich gut zu verstehen. Die Welt ist chaotisch, weil die Autorin gefühlt einfach alles drin haben wollte. Bösewicht, unterdrückte Leute, Terrororganisation der Rebellen, magische und nichtmagische Leute etc. etc. Letztere bleiben für mich Muggel da kann man sich noch so viele neue Fake Vokabeln ausdenken wie man möchte. Natürlich dürfen nicht magische Personen vorkommen, aber es darf sich nicht so extrem abgepauscht anfühlen.
Ich fühle mich etwas betrogen, weil die ersten ca. 100 Seiten echt gut waren. Leider ging es aber für mich danach schnell bergab. Irgendwann habe ich realisiert, dass ich erstens überhaupt nicht mehr mitgerissen werde und zweitens nichts und niemanden ernst nehmen kann. Es war sehr Young Adult lastig und mit dem Begriff Dark Fantasy wird hier sehr großzügig umgegangen. Dark Academia ist für mich auch schon lange eine Red Flag, weil mein Verständnis davon nie getroffen wird, und siehe da, wieder eine Chance gegeben und wieder enttäuscht worden. Aber ich gebe natürlich nicht auf. Der ganze Bereich Romantasy ist etwas schwierig. 2/5 spice ist dran, hätte den Bereich wirklich gar nicht gebraucht. Stay friends at this point?!
Für mein Empfinden und Genreverständnis gehört das Buch in den Jugendbuch Imprint. Ich fand es nicht dark, dafür waren die Leute zu jung.
Eine echt schöne Karte gibt es! Auch da ist der Aufbau wieder sehr klar und leicht. Berg mit Schule drüber, Unter-, Mittel- und Oberstadt. Unten wohnen die Armen. Grundsätzlich gut fand ich auch die storyspezifischen Begriffe wie z.B. Mark (Überbegriff für die Essenz eines Menschen, die hier von Körper zu Körper übertragen wird). Die Körper heißen Gehäuse etc. etc. Man versteht die Begriffe unmittelbar beim Lesen, was gut war.
Dass die Schule in den Wolken schwebt fand ich auch sehr cute!
Abgesehen von der Sache mit den Körpern, die schon wirklich ein USP ist, hat sich der restliche Plot wie ein Shake aus allen möglichen anderen Fantasygeschichten gelesen. Mir war ehrlich gesagt irgendwann langweilig und ich hatte einfach keinen Spaß. Die Sache mit den Körpern war auch nicht so clean exekutiert. Relativ am Anfang, also noch im ersten Drittel, kommt es zu einer Situation, bei der ich bis jetzt nicht verstehe, warum die Körper so unterschiedlich betroffen waren. Warum eine weniger starke Verletzung sich dramatischer auswirkt, als eine starke Verletzung.
Dennoch: das Buch ist technisch nicht schlecht, aber es hat mich persönlich einfach nicht abgeholt. Da kann keiner was zu.
Unsere Protagonistin ist sehr jung und weinerlich, entweder weint sie oder sie schlottert. Was okay und grundsätzlich mehr als verständlich ist, denn ihre Situation ist schlimm. ABER natürlich ist sie gleichzeitig ganz besonders und wird ausgewählt und ist die Heldin. Ich kann es einfach nicht mehr. Und die Twists, joa, direkt damit gerechnet habe ich natürlich nicht, aber in anderen Büchern schon öfter gehabt. Was auch okay ist.
Der Found Family Aspekt, den ich ja in Romance Büchern liebe, erreicht mich bei Fantasy nur alle Jubeljahre. Zuletzt war ich bei Nobodys quest ja total genervt und hier war es auch so, dass ich dachte, oh nein, wir haben wieder eine Gruppierung von Leuten, die irgendwas machen müssen. Es ärgert mich selbst, dass ich so empfinde. Ich habe auch noch solche trope Elemente auf dem SuB.
Im englischsprachigen Raum bin ich mit meiner Meinung übrigens auch nicht allein. Das Buch wurde bei uns erst nur von wenigen gelesen, so dass es bisher weder einen Hype, noch etwas Gegenteiliges gibt. Kommt noch!
Macht Euch gern ein eigenes Bild!
5/10