Schon allein der Titel Das Blau auf der anderen Seite erweckte in mir Sehnsucht. Sehnsucht darauf herauszufinden, wo denn diese andere Seite sein könnte. Und so ließ ich mich von Autorin Lucinde Hutzenlaub ins ferne Neuseeland entführen, eine Insel, die ich selbst gerne mal erkunden würde, wenn nur der Flug nicht so lang wäre
Die Geschichte begleitet Karla, die nach dem traurigen Tod Sebastians, dem Mann, den sie heiraten wollte, die geplante Hochzeitsreise nun allein antritt. Die mutige junge Frau nimmt wie geplant den alten Van, den sie auf den Namen Harold tauft, in Empfang und begibt sich auf Erkundungstour in einem ihr unbekannten Land mit einem unbestimmten Verlauf für ihr eigenes Leben, bis sie schließlich auf die 97jährige Marge stößt
Parallel dazu lerne ich Dr. Joshua Eichelbaum und seine Familie kennen, denen Ende der 30er Jahre als Juden buchstäblich im letzten Moment die Flucht aus dem braunen Deutschland gelingt und die in Neuseeland einen Neuanfang wagen wollen
Während mir die Abschnitte der Gegenwart manchmal fast ein wenig zu glatt und glücklich verliefen, konnte ich nicht anders als in der Vergangenheit mit den tragischen Leben der Eichelbaums zu versinken. Während sie ihre Haut retten konnten, fragte ich mich immer wieder, wann auch ihre Herzen und Seelen ankommen würden in dem fremden Land so fern der Heimat. Auch liebte ich die atmosphärischen Beschreibungen der neuseeländischen Landschaft und der Apfelplantage, die die Wilsons so liebevoll hegten und pflegten. Ich konnte förmlich durch die Seiten fliegen.
Alles in allem konnte mich das Buch absolut abholen, lässt es doch - besonders auch im letzten Drittel - Hoffnung auf Neuanfänge und Heilung erkennen. Ich vergebe hier sehr gerne überzeugte vier dicke Sterne verbunden mit einer absoluten Leseempfehlung. Für mich war es das erste, aber sicher nicht das letzte Buch aus der Feder dieser sympathischen Autorin!