Dass die Reisebranche in den letzten Jahren immer mehr boomte, dürfte kein Geheimnis mehr sein sein. Immer mehr Menschen reisen immer weiter weg, wollen immer mehr in kürzester Zeit erleben und damit ein weiteres Puzzlestück ihrer Selbstinszenierung in den sozialen Medien sammeln. Alles in allem handelt es sich also hier um ein Buch, dass den Zahn der Zeit ( vom ersten Einduck her) absolut treffen müsste.
Und dennoch muss ich leider gestehen, dass es mich nicht vollständig mitreißen konnte. Der grundsätzliche Gedanke sich damit auseinanderzusetzen, wie man das Reisen vielleicht nicht komplett aufgeben muss, sondern es wieder bewusster erleben kann, ist mMn. schon gelungen. Nur verstrickt der Autor sich dabei leider in einem Schreibstil, der sich im ersten Moment noch flüssig und interessant anliest, mit zunehmendem Verlauf aber auch etwas anstrengend sein kann. Denn zwischen der Einbettung verschiedenster Anekdoten, wird auch noch auf eine sehr umfangreiche Untermauerung mit wissenschaftlichen Studien und Fakten gesetzt. Das empfinde ich grundsätzlich als echt nicht schlecht, irgendwie hat es aber dann doch den Lesefluss etwas sehr unterbrochen, wenn ständig Aufzählungen von Daten und Fakten auftauchen. Also wer sich wirklich wissenschaftlich und wirtschaftlich mit diesen Thematiken rund um "Overtourism" beschäftigen möchte, hat sicherlich Freude daran, ich hatte mir aber irgendwie etwas Anderes erwartet.
Abschließend lässt sich festhalten, dass dieses Buch so zur Selbstreflexion über das eigene (Reise-) Verhalten ein, zwei ganz interessante ( wenn auch nicht komplett neue) Ansätze bereithält, für mich aber tatsächlich zu viel auf das "Privileg zu Reisen" und zu wenig auf die schädlichen Umweltaspekte eingegangen wird und der Schreibstil mich auch nicht wirklich in einen Sog ziehen konnte, eher musste ich mich teils aktiv dazu auffordern über manche Stellen hinweg zu lesen.