Lässt sich die zentrale Stellung des Subjekts überwinden, die unser gesellschaftliches Denken und Zusammenleben bis heute prägt? Trotz vielfältiger theoretischer Ansätze bleibt das Subjekt als grundlegende Instanz bestehen - es stabilisiert damit nicht nur bestehende Machtverhältnisse, sondern wirkt selbst als Träger einer tiefgreifenden, differenzierenden Gewalt. Statt nach neuen Formen der Subjektkritik zu suchen, vollzieht Nicola Mühlhäußer einen radikalen Perspektivwechsel: Im Zentrum steht das Denken jenseits des Subjekts. Inspiriert von Theoretiker*innen wie Gilles Deleuze und Félix Guattari, Saidiya Hartman und Paul B. Preciado, entwirft die Autorin ein Konzept des Relationalen - ein Denken und Leben, das sich über feste Zuschreibungen hinwegsetzt, in ständiger Bewegung bleibt und neue Formen von Verbundenheit, Verantwortung und politischer Praxis erschließt.
Inhaltsverzeichnis
Inhalt
Einleitung: Die Gewalt der Subjektivierung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7
Teil 1: Genealogie des Subjektdenkens
Einführung: Genealogie als Infragestellung des Subjekts . . . . . . . . . . . . . . . . . 33
1. Das essentialistische Subjekt aus dezentrierender Perspektive . . . . . . . . . 41
1. 1 Denkunfähig: das vernünftige Subjekt der Erkenntnis . . . . . . . . . . . . . 43
1. 2 Autonom, isoliert, asozial: das besitzindividualistische Subjekt . . . . 63
2. Das dezentrierte Subjekt: Die Verunsicherung und Festschreibung des Subjekts . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 77
2. 1 Ontologie zwischen Essentialismus und Kontingenz . . . . . . . . . . . . . . 79
2. 2 Michel Foucaults Produktivität der Macht: Kritik und Verstetigung des Subjekts . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 86
2. 3 Judith Butlers Performativität: Entnaturalisierung und Ontologie des Subjekts . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 99
3. Die Differentielle Produktion von Subjekten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 107
3. 1 Die Gewalt der Ausgrenzung: Monster, Anormale, Abjekte . . . . . . . . . 108
3. 2 Die Gewalt der Anerkennung als Subjekt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 117
3. 3 Die Gewalt der differentiellen Produktion von Subjekten: Das »Anrecht auf Grausamkeit« . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 124
3. 4 Das »Anrecht auf Grausamkeit« vergeschlechtlichender und ableistischer Differenzierung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 139
4. Die Gewalt der Subjektlogik oder, warum es Zeit ist, das Subjekt zu verabschieden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 153
Teil 2: Geschichten jenseits des Subjekts
Einführung: Die Produktivität von Gegengeschichten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 169
1. Gilles Deleuze und Félix Guattari: Ontologie, Politik und Sozialität des relationalen Werdens . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 173
1. 1 Die Ontologie der Differenz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 174
1. 2 Das Politische des Werdens . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 202
1. 3 Die Sozialität des Werdens . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 208
1. 4 Wie schafft man sich einen sozialen organlosen Körper? Von sozialer Erregung zum ontologischen Masochismus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 235
1. 5 Die Richtung ohne Subjekt: herrschaftskritisch, sozial, antifaschistisch . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 248
1. 6 Von der organisierten zur organlosen Gesellschaft . . . . . . . . . . . . . . . . 255
2. Saidiya Hartman: Aufsässiges Leben jenseits des Subjekts . . . . . . . . . . . . . 275
2. 1 Schaffung neuer Welten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 275
2. 2 Politisches (Über)Leben . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 279
2. 3 Die widerständige Schönheit des entfliehenden Lebens . . . . . . . . . . . 282
2. 4 Anarchismus der Staatenlosen und Flüchtenden . . . . . . . . . . . . . . . . . . 300
3. Paul B. Preciado: Soziale Erregbarkeit und Produktivität . . . . . . . . . . . . . . 309
4. Vom subjektivierenden Staat zum lebendigen Anarchismus . . . . . . . . . . . 319
4. 1 Abolitionismus und die Produktivität anarchistischer Lebensformen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 321
4. 2 Vom polizierten, eingesperrten Rechtssubjekt zur Versorgung von Verletzungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 329
4. 3 Vom (Privat)Eigentum zum Begehren nach Verteilung . . . . . . . . . . . . 339
4. 4 Revolutionäre Räume der Begegnung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 344
5. Die Überschreitung der subjektivierenden Gewalt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 349
Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 361
Dank . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 375