Manchmal liest man ein Buch und denkt sich schon nach den ersten Seiten: Wo warst du bitte die letzten Jahre? Genau so ging es mir mit Wie Kinder essen von Ronia Schiftan. Das Buch beschäftigt sich mit einem Thema, das in vielen Familien täglich auf dem Tisch liegt im wahrsten Sinne des Wortes: Essen mit Kindern. Dabei geht es nicht um starre Regeln, perfekte Mahlzeiten oder darum, wie man Kinder möglichst elegant dazu bringt, Brokkoli zu feiern. Vielmehr lädt das Buch dazu ein, den Druck aus dem Thema Ernährung herauszunehmen und wieder mehr Leichtigkeit, Genuss und echtes Miteinander an den Familientisch zu bringen.
Besonders augenöffnend fand ich schon den Gedanken aus dem ersten Kapitel, wie oft wir im Alltag Verhalten bewerten, ohne wirklich nach dem Erleben dahinter zu fragen. Statt Kinder vorschnell als wählerisch, stur oder schwierig einzuordnen, lohnt es sich, genauer hinzuschauen: Was braucht mein Kind gerade? Was empfindet es? Und welche eigenen Themen bringe ich vielleicht selbst mit an den Tisch?
Sehr einleuchtend fand ich auch den Ansatz, Essen stärker über Energie, Körpergefühl und Genuss zu betrachten, statt ständig über gesund und ungesund zu diskutieren. Das nimmt unglaublich viel Schwere raus. Kinder sollen eingebunden werden, ohne gedrängt zu werden. Sie dürfen lernen, auf ihren Körper zu hören, und gleichzeitig Teil einer Esskultur sein, die zur eigenen Familie passt.
Die Sprache des Buches ist verständlich, unterhaltsam und angenehm nah am Alltag. Es liest sich nicht wie ein erhobener Zeigefinger, sondern eher wie eine kluge Begleitung, die sagt: Schau mal hin, vielleicht geht es auch anders. Praktische Tipps und Anregungen gibt es viele, aber eben nicht als starre Blaupause nach dem Motto So macht man es richtig. Vielmehr wird deutlich: Jede Familie ist anders, jede Situation ist anders, und genau deshalb dürfen auch Regeln, Routinen und Lösungen unterschiedlich aussehen.
Dieser wundervolle Ratgeber hilft, eingefahrene Muster am Esstisch zu erkennen, Konflikte besser zu verstehen und Schritt für Schritt mehr Entspannung hineinzubringen. Kein Zauberstab, der über Nacht alles verändert aber ein richtig wertvoller Impulsgeber für alle, die Essen wieder mehr als gemeinsames, genussvolles WIR erleben möchten. Ich habe jedenfalls einiges mitgenommen und werde es ganz bewusst in unserem Alltag ausprobieren.