Ich bin auf NetGalley über das Buch "Ich mag nur Nudeln ohne Soße!" von Alicia Metz-Kleine gestolpert. Es handelt sich um Band 2 der Familienreihe, deren erster Band "Ich bin noch gar nicht müde!" heißt. Der Titel hat mich sofort angesprochen, weil ich diesen Satz schon hunderte Male von meinen Kindern gehört habe. Wer Kinder hat weiß, dass die Situation am Esstisch manchmal schwierig sein kann. Kind A isst kein grünes Gemüse, Kind B kein gekochtes und Kind C möchte am liebsten nur Nudeln und Schokolade. Als Eltern versucht man sein Bestes, richtet das Essen als lustiges Bild an oder besorgt Kinderkochbücher, damit die Kinder selbst kochen können. Im Alltag hält dieser Schwung aber oft nicht lange, besonders wenn man zusätzlich pflegende Mama ist.
Schön finde ich an dem Buch, dass es nicht belehrend wirkt. Alle Informationen sind in eine kindgerechte Geschichte um die Geschwister Wanda und Luis eingebettet. Man begleitet die beiden mit ihren Eltern durch den Alltag, beim Kochen, beim Einkaufen und beim Entdecken. Dabei werden Fragen gestellt, die Kinder und Eltern dazu animieren weiterzuforschen. Besonders das Thema saisonales Obst und Gemüse wird verständlich erklärt. In einer Zeit, in der vieles mit Flugzeugen durch die halbe Welt reist, ist es für Kinder spannend zu sehen, was wirklich bei uns in den jeweiligen Jahreszeiten wächst. So lernen sie nebenbei etwas über Umweltschutz und dass man im tiefsten Winter vielleicht nicht unbedingt Erbeeren oder Heidelbeeren braucht.
Gut gefallen haben mir die kleinen Anreize wie der Entdeckereinkauf, bei dem jeder ein Obst oder Gemüse auswählt, das noch nie probiert wurde. Oder das Selbstmachgericht, bei dem verschiedene Komponenten auf dem Tisch stehen und jeder seinen eigenen Teller zusammenstellt. Solche Ideen erinnern daran, dass man sich beim Essen oft unnötig Stress macht und einfache Dinge manchmal die besten sind. Das Buch zeigt auch, dass Süßes wie Pfannkuchen mit Apfelmus oder ein Nachtisch in Ordnung sind, solange man auf Ausgewogenheit achtet.
Beim Teil der Geschichte über Tischregeln war ich zunächst skeptisch, weil ich da eine etwas andere Meinung vertrete. Im Abschnitt Liebe Eltern wird jedoch klar zusammengefasst, dass jede Familie ihre eigenen Regeln hat und weitergibt, was ihr wichtig ist. Diese Zusammenfassung hat die anderen Inhalte gut abgerundet.
Schade finde ich, dass die Informationen zu den verschiedenen Bereichen oft nur angerissen werden. An manchen Stellen war mir zu wenig Information und zu wenig Tiefe. Klar soll das Buch Eltern dazu animieren mit ihren Kindern weiterzuforschen, aber ein paar Links oder Tipps zu weiterführenden Quellen wären hilfreich gewesen, damit man in den Weiten des Internet nicht in der Informationsflut versinkt und auch wirklich aktuelle Infos findet. Das muss nicht einmal im Buch selbst stehen. Ein QR Code würde reichen, um auf eine Seite mit passenden Quellen weiterzuleiten. Als Einstieg, um Kindern gesunde Ernährung näherzubringen, funktioniert das Buch aber trotzdem gut.
Die Illustrationen von Gareth Ryans sind farbenfroh und detailreich, ohne Kinder zu überfordern. Viele Alltagssituationen sind so dargestellt, dass sich Kinder gut wiederfinden können. Die Bilder ergänzen die Geschichte sehr gelungen.
Fazit: Ein freundliches, alltagsnahes Buch, das Kindern Ernährungsthemen verständlich macht und Eltern praktische Denkanstöße gibt.