Worum gehts?
Während des alljährlichen Schafabtriebs wird mitten in der isländischen Einöde die Leiche einer Frau gefunden. Ihr Gesicht von Raben zerhackt, um ihren Hals eine Glasperlenkette, die in der Sonne glänzt. Doch wer ist die Tote? Wie ist sie ohne Handy und Ausweis hierhergekommen? Und vor allem: War es wirklich Selbstmord oder steckt weitaus mehr dahinter?
Meine Meinung:
Endlich ist er da, der fünfte Fall für Hildur - Das Tal der Schuld von Satu Rämö. Und schon nach wenigen Seiten war ich wieder mittendrin in dieser ganz besonderen Atmosphäre der Reihe. Raue Landschaften, endlose Weite, Kälte und Abgeschiedenheit verleihen der Geschichte etwas Düsteres und Unheilvolles, während der lebendige Schreibstil dafür sorgt, dass man förmlich durch die Seiten fliegt.
Auch diesmal erzählt Satu Rämö auf mehreren Zeitebenen und lässt Vergangenheit und Gegenwart Stück für Stück ineinandergreifen. Dabei erfahren wir wieder mehr über die Menschen hinter den Ermittlern. Diesmal erhalten wir Einblicke in Tinnas Vergangenheit im Jahr 2002. Gleichzeitig muss auch Hildur zurück zu einem längst vergangenen Kapitel ihres Lebens: zu ihrem ersten Fall und ihrer ersten Beziehung. Für beide Frauen geht diese Reise tief unter die Haut, bringt aber auch Antworten und die Möglichkeit, mit manchen Dingen endlich abzuschließen.
Genau das fasziniert mich an dieser Reihe so sehr. Neben den eigentlichen Kriminalfällen stehen mit Hildur, Jakob und Tinna drei Menschen im Mittelpunkt, die mir inzwischen richtig ans Herz gewachsen sind. Mit jedem Band lernen wir sie ein bisschen besser kennen und entdecken neue Seiten und alte Wunden.
Und natürlich hat mich auch der aktuelle Fall wieder gepackt. Satu Rämö baut die Spannung langsam, aber stetig auf, wechselt zwischen Zeiten und Perspektiven und legt dabei immer neue Puzzlestücke aus. Mit Una erleben wir in der Vergangenheit wahrlich Grausames, während sich in der Gegenwart eine Mordserie entwickelt, deren Wurzeln weit zurückreichen. Je mehr sich die einzelnen Fäden verbinden, desto düsterer wird das Bild. Daneben greift die Autorin erneut gesellschaftliche und historische Themen auf. Es geht unter anderem um Drogen, die ihren Weg nach Island finden, aber auch um den Kampf der Frauen um Gleichberechtigung. Selbst Handlungsstränge, die letztlich nicht unmittelbar zur Lösung des Falls beitragen, wirken dabei nicht überflüssig, sondern fügen sich stimmig in das Gesamtbild ein.
Das Buch passt für mich perfekt in diese Reihe. Der Fall hat mich wunderbar unterhalten und bietet einige Momente, die für einen Kriminalroman erstaunlich nah an einen Thriller herankommen. Ich liebe die Eigenheiten der Figuren, die raue isländische Atmosphäre und dieses Gefühl, dass unter der scheinbar stillen Oberfläche immer noch etwas verborgen liegt. Und natürlich bin ich jetzt schon gespannt, wen wir im nächsten Band näher kennenlernen und welche längst begrabenen Geheimnisse Satu Rämö dann wieder ans Licht holen wird.
Fazit:
Hildur Das Tal der Schuld von Satu Rämö konnte mich wieder richtig begeistern. Ich liebe einfach diese besondere Mischung aus spannendem Fall, rauer isländischer Atmosphäre und den Figuren, die mir inzwischen so sehr ans Herz gewachsen sind. Ein düster-atmosphärischer Fall vor der rauen Kulisse Islands, tief verwurzelte Geheimnisse und Figuren, die mit jedem Band mehr Tiefe bekommen. Es ist spannend, emotional und stellenweise überraschend beklemmend. Für mich ein weiterer richtig starker Band der Reihe und ich freue mich jetzt schon darauf, wieder nach Island zurückzukehren.
5 eisig-düstere Sterne von mir.