Die vorhandenen 90 Mächen bieten eine große Bandbreite, stammen auch aus unterschiedlichen Präfekturen und Zeiten, so dass man beim Lesen bereits unterschiedliche Richtungen und vielleicht auch Epochen der Märchen verorten kann. Unter anderem finden sich Geschichten, in denen ein Rache-, Pocken- oder Berggeist, ein Drachenkönig im Meer, Gestaltenwandler wie ("Nacht")tiger, Bären oder Kraniche zum Tragen kommen; thematisiert werden unter anderem Moralvorstellungen, Lebensbedingungen, der Rolle als Frau, Verteilung von Reichtum und mehr aus früheren Zeiten, wobei auch nicht mit Gewalt, brutalen Tötungen, Zerstückelungen, Missbrauch und Hinterhältigkeiten sowie derben Schwänken mit Fäkalhumor, manchesmal auch der Verzicht auf geschönte Wörter oder Höflichkeitsformen. Sehr spannend waren für mich durchblitzende Feinheiten, beispielsweise Einblicke in religiöse Aspekte wie Buddhismus, Volksreligion oder Neo-Konfuzianismus, Einflüsse untereinander. Sehr hilfreich waren für mich auch die Erläuterungen im Nachwort sowie Anhang, so dass man die einzelnen Märchen besser einordnen und verstehen konnte. Bei ungefähr 6 Märchen fühlte ich mich erinnert an Grimms Märchen oder Figuren daraus und ein Quatschgedicht, das lange Zeit Christian Morgenstern zugeschrieben wurde (Dunkel wars, der Mond schien helle), die in meiner Kindheit erzählt wurden: Gevatter Tod, Goldmarie, Froschkönig, Aschenputtel sowie Hans im Glück. Bei einer Auswahl von 90 Märchen scheint mir das aber unvermeidbar, dass man auch in veeinzenten Fällen eine gewisse Ähnlichkeit empfinden kann. Insgesamt fällt die Band breite der erzählten Märchen jedoch sehr weitgestreut und ausgesprochen interessant aus; man erfährt sehr viel über Sichtweisen und Lebensumstände aus alten Tagen und alten Zeiten Koreas, auch wenn sich auch schon einmal etwas zu wiederhole scheint.