Ich finde das Cover von Zugvögel wie wir von Julia Dibbern wunderschön. Es wirkt edel, ist hell, freundlich und trotz der überwiegend kalten Farben naturnah. Außerdem sind Kraniche zu sehen, was mir sehr gefällt und Anknüpfungspunkte zur Geschichte schafft.
In diese Geschichte lernen wir Eva kennen, die sich zu Beginn bei einer Freundin in Schweden aufhält und mit sich und ihrem Leben hadert. Doch dann findet sie ein verletztes Kranichkind und macht sich spontan auf den Weg, um diesen imposanten Tieren auf ihrem Weg nach Frankreich ins Winterquartier zu folgen mit dem Fahrrad! Ihr Umfeld (und auch sie selbst) kann es gar nicht glauben, doch Eva ist on the road und mit dem Unterwegssein, mit den Begegnungen bisher fremder Menschen und mit sich selbst, verändert sich etwas in ihr
Ich kannte Julia Dibbern bisher nicht als Autorin, bin von ihrem Buch aber absolut begeistert! Sie hat es geschafft mich gleich auf den ersten Seiten für die Geschichte einzunehmen und mich mitzunehmen auf Evas Reise zu sich selbst. Dabei ist sie mir sehr schnell ans Herz gewachsen und ich habe es geliebt, dass ich sie über die ganze Strecke der Geschichte immer besser kennen lernen, sie immer besser verstehen und mit ihr fühlen können durfte. Es war so schön zu erleben, wie sie an sich wächst und sich entwickelt, denn der Autorin ist ein authentischer und stimmiger Umgang mit den inneren Themen des Charakters gelungen.
Auch die anderen ProtagonistInnen passen für mich hervorragend in die Geschichte und es entsteht ein sehr gelungenes Umfeld, was bei mir für noch mehr Lesefreude und einen stimmigen Rahmen der Handlung gesorgt hat. Ganz besonders begeistert haben mich die Beschreibungen der Natur und der Kranichbegegnungen, bei denen ich wirklich teilweise Gänsehaut hatte, weil sie mich so erreichen und berühren konnten. Aber auch ansonsten gelingt es der Autorin hervorragend die Umgebungen und Schauplätze so zu beschreiben, dass ich mit vor Ort sein und mich wunderbar einfinden konnte.
Überhaupt gefällt mir Julias Dibberns Sprache und Erzählweise außergewöhnlich gut. Der Text ist absolut leicht und flüssig zu lesen, wartet aber immer wieder mit besonders schönen Formulierungen und poetischen Elementen auf, die mir sehr gefallen. Beim Lesen entstehen sofort Bilder in meinem Kopf, die sprachlich wunderschön ausgeschmückt werden und ein zusätzlicher Kniff der Autorin, der das Lesen noch spannender macht, besteht darin, dass uns unterschiedliche Textformen (z. B. auch Einschübe aus Emails) erwarten.
Die Geschichte weist meiner Meinung nach außerdem eine wunderbare Mischung aus Leichtigkeit und Tiefe auf, die die Handlung rund und das Lesen zu einem wunderbaren Erlebnis macht. Ich durfte sehr intensiv mitfühlen und habe immer wieder auch Denkanstöße erhalten, die mich im positiven Sinne auch außerhalb der Lektüre beschäftigt haben.
Das Ende hat mich im ersten Moment sehr unzufrieden gemacht, was aber daran lag, dass ich die Geschichte so sehr mag und ich die Handlung sowie ihre ProtagonistInnen nicht so frühzeitig verlassen wollte. Ich muss bekennen, dass ich überhaupt keine Freundin von offen gehaltenen Enden bin, nachdem ich mich allerdings etwas mit dem Abschied von der Geschichte angefreundet hatte, muss ich gestehen, dass der gewählte Abschluss hervorragend zum Charakter der Geschichte passt und auch für mich eine gelungene Abrundung bildet.
Mir hat Zugvögel wie wir unglaublich gut gefallen und da ich so überzeugt bin von dieser Geschichte sowie der Erzählweise der Autorin, wird es sicherlich nicht mein letztes Buch von Julia Dibbern bleiben. Ich empfehle es allen LeserInnen, die Lust auf eher leise und feine Geschichten mit viel Tiefgang aber auch Leichtigkeit und Spaß haben und wünsche viel Freude beim Lesen!