Hinter diesem so harmlos als "Heimatroman" bezeichneten Buch verbirgt sich eine bitterböse Abrechnung mit der kleingeistigen Dorfkultur. Als die 108-jährige Marie stirbt, setzt dies eine Lawine in Gang: nachdem die Menschen in Gromzell scheinbar ewig leben, wird nun die Sterblichkeit wieder präsent, der sichere Kokon platzt auf und die Saat sind Zweifel und Zwietracht. Es brodelt in der scheinbar so harmonischen Dorfgemeinschaft, Aberglaube greift um sich und beinah sieht man die Dörfler schon mit den Mistgabeln zum Schloss ziehen...aber nein, das ist ja eine andere Geschichte. Obwohl nicht viel fehlt, um diese Assoziation zu wecken, vor allem gegen Ende. Besonders erstaunt hat mich das Schicksal von Anna, die einst aus dem Dorf nach Berlin gezogen war, aber nun zur Beerdigung zurückkehrt. Ihre anfängliche Ablehnung gegen das kleinbürgerliche Brauchtum, dem sie einst nur zu gerne entflohen ist, gerät ins Wanken - ist es nicht auch schön, statt in der Anonymität der Großstadt hier in der Gemeinschaft behütet zu sein? Mich hat es jedenfalls total gegruselt, je weiter diese skurrile und makabre Geschichte voranschritt. Und richtig unheimlich wurde es dann ja auch noch. Fazit: ganz unerwartetes, daher besonders schönes Lese-Highlight.