Inez lebt im Elendsviertel Westcliff und wünscht sich eine finanziell sichere und erfolgreiche Zukunft. Um diese zu erreichen, nimmt sie das Erbe ihrer Großmutter in Anspruch, das ihr einen der begehrten Plätze am St. Clair College finanziert. Doch kaum angekommen merkt sie schnell, dass nicht alles Gold ist, was glänzt, denn am College regieren die Söhne des Königs und treiben Machtspiele und Unterwerfung auf die Spitze. Insbesondere Calix, der jüngste Bruder der sogenannten X-Boys, hat Inez von Beginn an auf dem Kieker und macht ihr das Leben schwer. Für ihre Zukunft und um das Rätsel um den mysteriösen Unfalltod ihrer Großmutter zu lösen, versucht Inez, in den Royal Clair Club der X-Boys aufgenommen zu werden und erlebt einen albtraumhaften Wettbewerb und toxisches Machtgefälle, zugleich aber auch unerklärbare Anziehung und faszinierende Begegnungen.
Royal Clair Club hat mich atmosphärisch sehr schnell abgeholt. Das düstere Setting funktionierte hervorragend, genauso wie der Weltenbau, der durch Details wie die Karte im Einband und die Illustrationen zwischen den Kapiteln zusätzlich an Tiefe gewann. Besonders positiv hervorheben möchte ich den aufgebrochenen Text mit Artikeln und Briefen solche Elemente erhöhen für mich enorm den Lesefluss. Trotz seines Umfangs las sich der Roman überraschend schnell, was definitiv ein Pluspunkt ist, da mich die fast 700 Seiten anfangs eher abgeschreckt haben.
Der Schreibstil war dabei insgesamt sehr flüssig, wenn auch stellenweise deutlich vulgärer, als ich es persönlich brauche. Das soll natürlich Rauheit und Härte unterstreichen, wäre für mich aber nicht zwingend notwendig gewesen. Am Ende bleib dies jedoch Geschmackssache. Grundsätzlich hatte das Buch einen starken Sog und schaffte es gut, Spannung aufzubauen und aufrechtzuerhalten.
Inhaltlich überzeugte mich vor allem die zentrale Handlung rund um Geheimnisse, Machtstrukturen und den Weltenbau. Die vielen offenen Fragen sorgten dafür, dass ich ständig weiterlesen wollte. Mit den Dark-Romantasy-Elementen hatte ich dagegen häufiger meine Schwierigkeiten. Als jemand, der in diesem Genre noch recht neu ist, konnte mich dieser Anteil nicht durchgehend begeistern. Manche Dynamiken wirkten auf mich eher abschreckend als faszinierend, auch wenn sie offensichtlich bewusst provokant angelegt sind.
Das am College etablierte Machtsystem war düster, grotesk und für mich stellenweise schwer zu ertragen erzählerisch aber durchaus effektiv! Gerade deshalb war mir die Hauptfigur Inez schnell sympathisch: Ihr Widerstandsgeist und der Versuch, sich nicht vollständig unterzuordnen, setzten einen wichtigen Kontrapunkt zu der allgegenwärtigen Unterdrückung. Gleichzeitig hätte ich mir an manchen Stellen emotional realistischere Reaktionen gewünscht, insbesondere im Umgang mit Bedrohung und Grenzüberschreitungen.
Die Beziehung zwischen den beiden zentralen Figuren Inez und Calix ist spannend konzipiert, für mich aber ambivalent. Die Anziehung war direkt spürbar, gleichzeitig blieb ein starkes Ungleichgewicht bestehen, das ich kritisch sehe. Genau hier liegt für mich auch der größte Schwachpunkt des Romans: Der Dark-Romance-Anteil war oft sehr präsent, teilweise stark sexualisiert und nicht immer von echtem Einvernehmen getragen. Die Content-Warnung und die Altersempfehlung ab 18 halte ich daher für absolut gerechtfertigt und sinnvoll.
Was mir wiederum sehr gut gefallen hat, sind die vielen Popkultur-Anspielungen, die Gossip-Girl-Vibes sowie literarische und feministische Bezüge. Diese gaben der Geschichte zusätzliche Ebenen und bildeten ein spannendes Gegengewicht zum toxischen Machtgefüge. Besonders stark wurde der Roman für mich dann, wenn er sich stärker in Richtung Dark Fantasy mit leichten Horror-Elementen bewegte hier entfaltet die Geschichte in meinen Augen ihr größtes Potenzial.
Zum Ende hin hatte ich stellenweise das Gefühl, dass einige Aspekte zu schnell abgehandelt wurden und Figuren etwas oberflächlich blieben, während andere Elemente, insbesondere Spice-Szenen, recht viel Raum einnahmen. Trotzdem blieb der Roman durchgehend unterhaltsam, unvorhersehbar und endete so, dass ich neugierig auf die Fortsetzung bleibe.
Unterm Strich ist Royal Clair Club ein atmosphärisches, spannendes Buch mit starkem Rätselcharakter, gelungenem Weltenbau und effektiven Fantasy-Momenten. Auch wenn ich persönlich mit Dark Romance nur begrenzt etwas anfangen kann und mir hier insbesondere mehr eindeutiges Einvernehmen gewünscht hätte, hat mich die Geschichte konstant am Lesen gehalten. Nun heißt es Warten auf Band 2.