In Tochter des Nebelwalds von Gry Kappel Jensen, dem ersten Band der Eventyr-Saga, begleiten wir die beiden Schwestern Ava und Linn, die zusammen mit ihrem Vater in großer Armut am Rand eines düsteren Waldes leben. Das Leben ist hart und oft bestimmt vom Hunger. Als ihr Vater eines Tages verschwindet, sind die Mädchen plötzlich auf sich allein gestellt. Auf der Suche nach Schutz gelangen sie tief in den Wald zur geheimnisvollen Nebula, die mehrere Kinder bei sich aufgenommen hat. Sie sorgt scheinbar gut für alle doch warum wird Linn von Ava getrennt? Und was verbirgt Nebula wirklich?
Schon zu Beginn hat mich die düstere Atmosphäre der Geschichte gepackt. Die Not der Familie und das Gefühl von Unsicherheit ziehen sich durch die ersten Kapitel und sorgen dafür, dass man sofort mit Ava mitfühlt. Die Geschichte erinnert an bekannte Märchenmotive besonders an Hänsel und Gretel entwickelt sich aber nach und nach in eine eigene Richtung. Gerade dieses Spiel mit vertrauten Elementen und neuen Ideen macht den Reiz der Handlung aus.
Besonders spannend ist die Figur der Nebula. Man weiß lange nicht, ob sie eine Beschützerin oder doch eine Gefahr für die Kinder ist. Dieses ständige Zweifeln sorgt für eine unterschwellige Spannung, die sich durch das gesamte Buch zieht. Auch Ava als Hauptfigur ist sehr gelungen. Sie entwickelt sich im Laufe der Geschichte deutlich weiter und muss lernen, mutiger zu sein und ihren eigenen Gefühlen zu vertrauen.
Als Hörbuch funktioniert die Geschichte ebenfalls sehr gut. Sprecherin Marlene Rauch liest angenehm und schafft es, die märchenhafte, teilweise unheimliche Stimmung des Nebelwalds lebendig werden zu lassen. Besonders die geheimnisvollen Momente und die Begegnungen mit Nebula bekommen durch ihre ruhige, leicht mystische Erzählweise eine intensive Wirkung.
Insgesamt ist Tochter des Nebelwalds ein atmosphärischer Auftakt einer Fantasyreihe für jüngere Hörerinnen und Hörer ab etwa zwölf Jahren, der aber auch Erwachsene gut unterhalten kann. Die Geschichte verbindet Märchenmotive mit einer spannenden, teilweise düsteren Handlung und stellt immer wieder die Frage, was eigentlich gut und was böse ist.
Das Ende macht neugierig auf die Fortsetzung ich bin jedenfalls gespannt, wie es im nächsten Band der Eventyr-Saga weitergeht.