Kerrigan ist Halb-Fae und wird deshalb in einer Gesellschaft, die die Fae als die einzig wertvollen Mitglieder erachtet, strukturell diskriminiert. Um Teil der Gesellschaft zu werden, arbeitet sie am Berg für die hohe Gesellschaft des Hauses der Drachen. Sie steht kurz vor Abschluss ihrer Ausbildung und erhofft sich ein freies Leben, indem sie von einem herrschenden Haus erwählt wird. Zeitgleich findet am Berg eines der berühmten Drachenturniere statt. Sogar 5 Drachen werden bereit sein, zu binden. Um sich diese Ehre zu erkämpfen, treten Mitglieder der verschiedenen Häuser in mehreren Wettkämpfen gegeneinander an. Doch niemand hat mit Fordham aus dem geächteten und verstoßenen Haus der Schatten gerechnet, der Anspruch auf einen Drachen erhebt und am Turnier teilnimmt. Und ausgerechnet Kerrigan wird ihm zur Unterstützung zugeteilt.
Ich bin ehrlich: Der Einstieg in Royal Houses Das Haus der Drachen von K.A. Linde fiel mir richtig schwer. Ich hatte auf ein actionreiches Turnier gehofft, stattdessen stolperte ich von Szene zu Szene, ohne wirklich einen roten Faden zu erkennen. Es tauchten ständig neue Häuser, politische Begebenheiten, Namen und Szenarien auf, die für mich zunächst kaum greifbar waren. Ich habe mich oft gefragt: Wer ist wer, und warum passiert das eigentlich gerade? Ich verstehe zwar, dass man sich bei einer Reihe viele Geheimnisse für die folgenden Bücher bewahren möchte, ich hätte ich mir dennoch eine bessere Übersicht über die grundsätzlichen Begebenheiten und Zusammenhänge gewünscht. Denn so war es für mich einfach sehr undurchschaubar und unruhig.
Auch fiel es mir schwer, mir anfangs die Welt vorzustellen. Orte, Drachen, Personen vieles blieb vage, und es dauerte, bis ich wirklich drin war. Gerade die Drachen fand ich faszinierend, aber ihre Rolle und Motivation waren mir bis zuletzt nicht klar. Zudem war ihr prozentualer Anteil an der Geschichte für meinen Geschmack zu klein. Zeitsprünge und schnelle Szenenwechsel erschwerten mir zusätzlich den Überblick und rissen mich manchmal regelrecht aus der Geschichte.
Kerrigan ist eine starke Hauptfigur, aber ihre widerborstige Art war für mich zu Beginn doch eher anstrengend. Dies verlor sich zum Glück mit der Zeit. Ich hatte ferner den Klappentext so interpretiert, dass Kerrigan aktiv am Turnier teilnehmen würde, um sich einen Drachen zu erspielen. Dies war leider nicht der Fall, was mich sehr enttäuschte. Ich hatte hier auf einen kleinen Fourth Wing-Moment gehofft und empfinde den Klappentext auch im Nachgang als irreführend. Auch Kerrigans Freunde blieben stellenweise eher blass, und emotionale Momente zwischen den Figuren wirkten auf mich oft zu kurz oder abrupt. Häufig bediente sich die Autorin des Prinzips des Erzählens, dass die Figuren eine Situation erlebten, statt die Situation zu schildern und mich teilhaben zu lassen, weshalb ich emotional oft hinterherhinkte. Positiv hervorheben möchte ich dagegen fantasievolle Szenen rund um Drachen und das Turnier, die mich wirklich neugierig auf den weiteren Verlauf machten.
Insgesamt habe ich das Gefühl, dass sehr viel passieren will, die Story aber noch nicht rund ist. Die Handlung wirkte zerfasert, die Figuren konnten kaum durchatmen, und ich hatte oft mehr Fragen als Antworten. Trotzdem wollte ich immer weiterlesen, weil die Ideen der Geschichte mich reizten aber emotional richtig packen konnte mich das Buch leider nicht.
Fazit: Für mich ist Royal Houses Das Haus der Drachen ein Buch mit viel Potenzial, das aber noch deutlich an Struktur und Tiefe mangelt. Wer Geduld mitbringt und komplexe, undurchschaubare Fantasy mag, kann seinen Spaß haben, ich persönlich bin eher zwiegespalten.